In der elektronischen Datenverarbeitung findet die Revolution in aller Stille statt / Gero von Randow

Ein Bus hält vor dem Berliner Nobelhotel, elegant gekleidete Herren steigen ein, unterhalten sich auf Englisch, und plötzlich erschreckt einer den Fahrer mit der ganz ernst gemeinten Frage: „Fahren Sie uns zur Demo?“ Computer-Lingo, Fachjargon. Gemeint war eine technische Demonstration, die Ende November beim Seminar der Eureka Software Factory (ESF) erstmals vorgeführt wurde.

„Wir erleben einen dramatischen Wandel: Die Urgeschichte der Software geht zu Ende“ – John Buxton, Informatiker und forschungspolitischer Berater der britischen Regierung, hofft auf einen Ausweg aus der „Software-Krise“, deren Symptome die Fachwelt seit fast zwanzig Jahren beklagt: Zwar werden die Computer immer schneller und kleiner, die Programme hingegen bleiben „benutzerfeindlich“ (Buxton) und fehlerhaft, kosten zu viel Geld und werden in der Regel zu spät ausgeliefert.

Softwareindustrie

John Buxton steht mit seiner Erwartung einer neuen Computerzeit nicht alleine. „Die Software-Revolution beginnt“, jubiliert Datamation, das weltweit gelesene Fachblatt für Datenverarbeitung im Big Business; die EDV-Revolutionäre „wollen die Software-Produktion, die in den letzten 45 Jahren wesentlich eine manuelle, dem Kunsthandwerk ähnelnde und durch bürokratische Kontrollen überwachte Arbeit war, in eine teilautomatisierte, methodenstrenge und verläßliche Ingenieurdisziplin verwandeln“.

Diesem Ideal jagen Forschungszentren in den USA, in Europa und im fernen Australien nach, unterstützt von Regierungen und Konzernen. Im Rahmen des Eureka-Programms, das europäische High-Tech-Projekte innerhalb und außerhalb der EG zusammenführen soll, entstand 1987 die Eureka Software Factory, ein Zehnjahresprojekt mit einem Etat von 400 Millionen Dollar. Im ESF-Konsortium arbeiten vierzehn europäische Firmen und Forschungsinstitutionen zusammen, aus Deutschland unter anderem die Firmen AEG/GEI und Nixdorf sowie die Universität Dortmund.

„Wir sind entschlossen, die Software-Produktion zu industrialisieren“, sagt Hubert Tardieu, Sprecher des ESF-Control Boards. „Noch im nächsten Jahr“, so verkündet der charismatische Franzose und Primus inter pares, „wird unsere erste richtige Software-Fabrik bei einem unserer Partner arbeiten.“