Europas Parlamentarier schlagen Alarm. Die Krise in der Computerindustrie hat sie aufgeschreckt. In einer Entschließung werden der niederländische Elektroriese Philips, die französische Bull-Gruppe und der italienische Konzern Olivetti aufgefordert, die jüngst verkündeten Pläne erst einmal auszusetzen: Die drei Computerbauer wollen insgesamt fast 70 000 Stellen streichen. Im grenzüberschreitenden Technologie-Wettlauf droht ihnen nämlich über kurz oder lang die Luft auszugehen.

Eines ist längst auf der Strecke geblieben: das Anliegen der Arbeitnehmer. So bemerkten die Parlamentarier vor allem, daß die Gewerkschaften bei multinationalen Unternehmen so gut wie keine Chance haben, notwendige Umstrukturierungen mitzugestalten. Überdies klagen die hilflosen Abgeordneten, daß der europäische Markt mit Produkten aus Ländern überschwemmt wird, in denen die in einer Charta festgeschriebenen sozialen Grundsätze der Gemeinschaft mit Füßen getreten werden. Auf diese Weise, so die bittere Erkenntnis, würde das europäische Sozialmodell untergraben.

Wie das Problem zu lösen ist, wissen die Abgeordneten jedoch nicht. Ein Lagebericht zur Computerbranche soll ihnen erst einmal Durchblick verschaffen. Doch bis der fertig ist, dürfte es noch weitere Hiobsbotschaften geben. Denn derzeit wird auf dem Alten Kontinent in vielen High-Tech-Bereichen die letzte Schlacht geschlagen. Die europäischen Industriegiganten fürchten, der gnadenlosen Konkurrenz aus dem fernen Osten nicht länger gewachsen zu sein. Das Beispiel Philips zeigt: Kommen noch hausgemachte Probleme hinzu, geraten selbst Riesen ins Wanken.

Kein Wunder also, daß sich viele nationale Vertreter auf der Welthandelskonferenz Gatt stets so schwertun, ihre Märkte für fremde Produkte freiwillig noch weiter zu öffnen und den Wettbewerb zwischen den Kontinenten zu forcieren. Die Entschließung der europäischen Parlamentarier zeigt: Es steht viel auf dem Spiel. lüt