Privatflieger nutzen unrechtmäßig einen Militärflughafen

München

Die Privatfliegerei ist eine schöne, wenn auch von den meisten Bundesbürgern eher distanziert betrachtete Sache. Wer will schon in seiner Nachbarschaft einen Flugplatz haben? Da sind die Anhänger jener mitunter geschäftlich, häufig rein privat betriebenen Passion schon dankbar, wenn sie einen gewichtigen Politiker in ihren Reihen wissen: Die Standortsuche gestaltet sich dann schon ein wenig leichter. Für die 500 Mitglieder des Fliegerclubs München (FCM) lief es denn in der Ära des Franz Josef Strauß, selbst begeisterter Privatflieger, jahrelang "wie g’schmiert" (so sagt man halt in Bayern). Auf einem Militärflugplatz, gerade zehn Kilometer vom Münchener Marienplatz entfernt, fanden sie ganz unkompliziert einen prächtigen Unterschlupf. Zu Unrecht, wie vergangene Woche das Verwaltungsgericht München feststellte.

Der Anfang der Geschichte liegt 23 Jahre zurück: München hat den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1972 erhalten. Doch auf dem "Oberwiesenfeld", wo die kühne Zeltdachkonstruktion errichtet werden soll, ist 1967 noch der FCM zu Hause. Die Privatflieger werden mit Genehmigung der Regierung von Oberbayern bis zur Fertigstellung des neuen Airports München II "provisorisch" an den Stadtrand verlagert: Der Militärflugplatz Neubiberg wird neue FCM-Basis. Widerstand in den umliegenden Gemeinden gibt es anfangs so gut wie nicht, denn es herrscht dort ohnehin reger militärischer Flugverkehr.

Bequem für Franz-Josef Strauß

Mehr Aufmerksamkeit in der Umgebung finden die Hobbyflieger, nachdem die Bundeswehr in den siebziger Jahren ihr Lufttransportgeschwader 61 wegen unzumutbarer Lärmbelästigung der Bürger mit Millionenaufwand nach Landsberg/Lech verlegt hat. Der Flugplatz Neubiberg ist damit nur noch Nato-Reserveflughafen. Maximal acht militärische Starts oder Landungen pro Woche werden seit Jahren registriert – der Allgemeinen Luftfahrt dagegen werden bis zu 125 Starts und Landungen pro Tag eingeräumt. Sie finden vorzugsweise am Wochenende bei schönem Wetter statt. Aber es kommt im Lauf der Jahre auch immer wieder vor, daß kleine und große Düsenjets in Neubiberg niedergehen – schließlich ist in München-Riem oft genug der Teufel los. Franz Josef Strauß weiß diesen günstig zu seinem Privathaus gelegenen Platz stets zu schätzen.

Ende der siebziger Jahre klagen Bürger und Gemeinden gegen die Anwesenheit der Flieger. "Längstens bis zwei Jahre nach dem 31. 12. 1985", so vergleicht man sich schließlich, soll der Fliegerclub bleiben dürfen. Denn Ende 1985 sollte München II in Betrieb gehen, und dort im Erdinger Moos hatten die Planer ja für die Allgemeine Luftfahrt alles bestens angerichtet.