Die brisanten Einschreiben erreichten die größten deutschen Reiseveranstalter, darunter TUI, NUR und ITS sowie die Charterfluggesellschaften, wie Hapag Lloyd, LTU oder Condor, am Ende der vergangenen Woche. Absender: das Bundeskartellamt. Die Berliner Aufsichtsbehörde beschuldigt die Unternehmen, sich über die Höhe des Benzinkostenzuschlags abgesprochen zu haben. Der soll vom 18. Januar an von den Flugtouristen erhoben werden (ZEIT Nr. 45), weil die gestiegenen Kerosinkosten die Charterfluggesellschaften außergewöhnlich belasten.

Die Kartellwächter sehen es nun als erwiesen an, daß sich die Touristikunternehmen über die Höhe der Zuschläge abgesprochen haben. Kartellamtssprecher Jürgen Kiecker: "Es hat den Anschein, als ob alle daran beteiligt waren." Gelingt es den Beschuldigten nicht, die Vorwürfe zu entkräften, wird es saftige Strafen geben: Mit bis zu einer Million Mark – je nach Tatbeitrag und Unternehmensumsatz – würden

Die Urlauber müssen in jedem Fall zahlen, sollte sich auf dem Ölmarkt nichts ändern. Schien bisher ein Aufschlag von maximal 85 Mark allgemein zu gelten, signalisieren die Veranstalter ihren Agenturen nun teilweise sogar höhere Beträge. Die TUI schlägt bei Fernreisen beispielsweise bis zu 155 Mark auf ihren Katalogpreis auf.

Bei dem Sportartikelhersteller adidas wächst die Spannung zwischen dem Firmeneigner Bernard Tapie und dem Vorstandsvorsitzenden René Jäggi geradezu dramatisch. Jäggi ist frustriert, weil der neue französische Eigner, der das Herzogenauracher Unternehmen im Juli dieses Jahres zu achtzig Prozent übernahm, die versprochene Kapitalspritze von 250 bis 300 Millionen Mark nicht aufbringen kann. Der Vorstandschef braucht das Geld aber dringend für die Sanierung des angeschlagenen Unternehmens.

Die vage Ankündigung von Tapie auf der Hauptversammlung der vergangenen Woche, bis 1995 das adidas-Kapital um nominal sechzig Millionen Mark zu erhöhen, wird in der Führungsetage offen als Farce bezeichnet. Für Jäggi drängt indes die Zeit: Schon Mitte Dezember, spätestens aber im Januar, braucht er zusätzliches Kapital, um das Geschäft für das kommende Jahr finanzieren zu können.

Auch in anderen Fragen sind der quirlige Franzose (siehe Seite 30) und der seit vier Jahren amtierende Schweizer Vorstandschef völlig überquer. Während Tapie stolz verkündet, er werde aus dem Sportartikelunternehmen eine Modemarke machen, hält Jäggi einen ganz anderen Kurs für richtig. Er will adidas allein mit Sportkleidung sanieren: "Ich kann und werde kein Modeunternehmen führen."

Einstweilen setzt Jäggi auf den in der vergangenen Woche bestellten neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Friderichs, den ehemaligen Vorstandssprecher der Dresdner Bank. Von ihm erwartet der adidas-Chef ein geradliniges Gegengewicht zur hektischen Aktionsweise des Franzosen, der sich täglich per Fax oder Telex mit stets neuen Ideen ins Geschäft einmischt.