Als am vergangenen Wochenende die Verhandlungsbereitschaft der Amerikaner in Sachen Golfkonflikt bekanntwurde, reagierten die Aktienbörsen weltweit freundlich. In Deutschland wirkten außerdem Käufe im Vorgriff auf einen Wahlsieg der bisherigen Regierungskoalition kurstreibend. Aber schon am Wochenbeginn zeigte sich, daß die Zeit für eine durchgreifende Tendenzwende noch nicht gekommen ist. Es fehlt die potente Anlegerschicht, so daß jede Aufwärtsbewegung nur von kurzer Dauer ist. Gewinnmitnahmen sorgen immer wieder für einen Rückfall der Kurse auf das Ausgangsniveau.

Auch die Londoner Broker, die den deutschen Markt stark beeinflussen, lassen vorerst keine klare Linie erkennen. Hatten sie sich vor kurzem noch für deutsche Stahlaktien, besonders für Hoesch, stark gemacht, so befanden sie sich in dieser Woche eher auf der Verkäuferseite. Wegen der Warnstreiks in der Stahlindustrie reduzierten einige Broker vorsorglich die Gewinnschätzungen für Papiere wie Hoesch und Thyssen, aber auch für Preussag.

Trotz des alle Erwartungen übertreffenden Weihnachtsgeschäftes kamen auch im Bereich der Warenhausaktien Verkauforders aus dem Ausland – vor allem aus Japan. Dort werden Kursgewinne zum Ausgleich der am heimischen Markt entstandenen Verluste benötigt.

Ein Sonderfall ist Horten. Nach dem Einstieg der Westdeutschen Landesbank ist aus der Horten-Aktie jegliche spekulative Phantasie entwichen. Jetzt zählt nur noch die Ertragslage, die in diesem Falle alles andere als befriedigend ist und Kurse um 200 Mark nicht rechtfertigt. Die BAT hat die Horten-Mehrheit dem Vernehmen nach auch nur zum Kurs von etwa 160 Mark an die West-LB abgegeben.

Wie wenig derzeit positive Nachrichten die Kurse nach oben treiben, hat sich bei den Banken gezeigt. Obwohl Commerzbank, Dresdner Bank und die Deutsche Bank passable Zwischenberichte veröffentlicht haben, schlug sich das in den Kursen kaum oder nur sehr kurzfristig nieder. Auch die Bankaktien folgen der Allgemeintendenz.

Eine große Rolle spielt am Bankenmarkt die Zinsentwicklung. Hoffnungen, der Zins könnte bis zum Jahresende etwas zurückgehen und damit den Abschreibungsbedarf der Kreditinstitute verringern, sind in den Hintergrund gedrängt worden, auch wenn die neue Bundesanleihe mit einer Rendite von nur 8,77 Prozent herausgekommen ist. Damit ist der Abschied vom Neunprozenter jedoch noch lange nicht gekommen. K.W.