Besseren Service und mehr Komfort will British Airways künftig in ihrer Economy Class bieten, um mehr Fluggäste in ihre Maschinen zu locken.

Oft genug wird die Economy Class wegen ihres geringen Komforts als „Holzklasse“ diskriminiert. Passagiere jedoch, die vom 15. Januar an mit British Airways (BA) fliegen, erwarten dann bisher unbekannte Annehmlichkeiten: Bereits vor dem Abflug werden Orangensaft und eine Tageszeitung angeboten. Auf Langstreckenflügen bekommen die Passagiere ein kleines Komfortset mit Socken, Augenmaske, Zahnbürste und Einweg-Rasierer, einen Service, wie er bisher nur den Reisenden in der teuren First oder Business Class vorbehalten war.

Puzzles und Spiele, ein verstärktes Angebot von Video- und Musikprogrammen soll Langeweile an Bord bekämpfen. Das Menü mit leichten, bekömmlichen Gerichten wird auf Porzellantellern serviert und mit Metallbestecken gegessen – wie bisher nur in den vorderen Klassen der Maschine üblich. Vor allem sollen schlankere, jedoch bequemere Sitze den Passagieren in den B-747-400-Jumbos mehr Bewegungsfreiheit für die Beine sichern.

Weil der Begriff Economy, so fanden die BA-Marktforscher heraus, zu sehr den Beigeschmack einer billigen Ware habe, gaben die Marketing-Strategen des Unternehmens dem Kind einen neuen Namen. Umgetauft in „Euro-“ beziehungsweise „World Traveller“, will British Airways in dieser Klasse auf den Europa- und Fernstrecken vermehrt Ferienflieger und sparsame Geschäftsleute ansprechen. Siebzig Millionen Pfund (rund zweihundert Millionen Mark) läßt sich die mit jährlich dreizehn Millionen Passagieren größte europäische Fluggesellschaft das verbesserte Angebot kosten.

Hintergrund der Aktion, der eine Umfrage bei fünftausend Passagieren vorausging, ist die zunehmend härtere Konkurrenz im internationalen Wettbewerb am Himmel. Spätestens mit der Liberalisierung des europäischen Luftverkehrs 1993, wenn Zugangsbeschränkungen zu den einzelnen Märkten aufgehoben werden, wird der Service im Wettbewerb zwischen den Airlines eine wichtige Rolle spielen. Hinzu kommt, daß die Linienfluggesellschaften immer stärker um die Kunden der Charterflieger, die Touristen, kämpfen.

Meinungsumfragen Anfang 1989 hatten British Airways ein äußerst schwaches Image im Freizeit-Reisemarkt attestiert. Mit dem neuen Servicekonzept wollen die BA-Manager erreichen, daß Urlauber und Geschäftsleute im Reisebüro ausdrücklich Flüge mit dem größten europäischen Luftfahrtunternehmen verlangen, anstatt die Wahl des Carriers den Reisebüroangestellten zu überlassen.

Das höhere Niveau der Economy-Klasse soll helfen, die billigen Discount-Tarife einzudämmen und damit den Durchschnittsumsatz pro Passagier zu erhöhen. Für den besseren Service sollen dann auch höhere Preise verlangt werden. Ein Drittel Mehreinnahmen könnte, so plant die Geschäftsleitung von BA, bereits im ersten Jahr herausspringen.