Nicht etwa, daß wir aus Spanien uns in deutsche Verhältnisse einmischen wollten. Doch schließlich rücken wir in Europa ja immer enger zusammen, und da kann es nur von Vorteil sein, wenn wir einander mit guten Ideen helfen. So merkten wir kürzlich auf, als wir hörten, daß die neuen deutschen Bundesländer große Schwierigkeiten mit ihrem Tourismus haben, daß sie ihre kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten zwar gebührend präsentieren wollen, daß es ihnen aber an gepflegten Hotels mit Flair fehlt.

Da fielen uns die Paradores hier in Spanien ein, die Rasthäuser in schönen alten Mauern, ideal geeignet für Reisende mit ein bißchen Bildungslust und Gespür für Tradition und Kultur, genau die Reisenden also, die nun vermehrt nach Thüringen und Brandenburg kommen sollen. Wir haben über neunzig dieser oft malerisch gelegenen Schloßhotels, überall dort, wo kulturelle oder architektonische Sehenswürdigkeiten locken. Die Idee dabei, sie kam vor mehr als sechzig Jahren einem königlichen Berater: Leerstehende historische Gebäude, für deren Renovierung kein Geld vorhanden war, wurden in staatliche Hotels umgewandelt. Der spanische Staat also verstand sich als Mäzen und kaufte kulturhistorisch wertvolle Anwesen auf, um sie vor dem Verfall zu retten und gleichzeitig ein Stück regionaler Geschichte wirkungsvoll zu präsentieren.

Es muß ja nicht gleich die Wartburg sein, aber in der Umgebung von Weimar, Dresden oder Rostock wird sich sicher manches verfallende Gemäuer oder manches heruntergekommene Herrenhaus finden lassen, das unter dem kulturhistorischen Desinteresse der sozialistischen DDR gelitten hat. Warum also läßt sich unsere spanische Paradores-Idee nicht einfach in die fünf neuen Bundesländer exportieren, in denen es zwar nicht an interessanten Sehenswürdigkeiten mangelt, aber an preisgünstigen und dennoch komfortablen Hotelzimmern.

So, wie der spanische König damals begann, in den Paradores regionales Ambiente spürbar zu machen, so könnten heute die neuen Landesfürsten ihre regionale Eigenständigkeit unterstreichen, indem sie durch renovierte Schloßhotels und wiederhergerichtete Burgrestaurants typisch sächsisches oder thüringisches Flair wehen lassen.

Übrigens, schlecht ist der spanische Staat nicht mit dem Modell gefahren, kostspielige Ausbesserungsarbeiten durch ein gepflegtes Hotel oder ein komfortables Restaurant zu kompensieren: Die Paradores sind sehr gut ausgelastet, und viele schreiben schwarze Zahlen.

Vielleicht gibt es ja für die Ministerpräsidenten der fünf neuen Bundesländer, die nun eine leistungsfähige Tourismusinfrastruktur aufbauen müssen, in Spanien Rat und Hilfe?

Volker Mauersberger