Von Jens Prüss

DÜSSELDORF. – Was sind wir doch für Glückspilze. Winneou reitet weiter in Bad Segeberg für Deutschland. Und Helmut macht uns unentwegt den Adenauer. Behaglicher können die Zeiten nicht sein. 30 000 Leserbriefe und einige Millionen Wählerstimmen genügen, um die Zeit zurückzudrehen. Ächzend schwingt sich der kreuznahme Pierre Brice (62) noch einmal aufs Pferd, weil wir es so wollen. Und unser Kanzler ackert weiter für Handelsfreiheit, Wohlstand und Sicherheit. Wenn’s um die Gemütlichkeit geht, kennen wir kein Pardon.

„Noch einmal die sechziger Jahre“, rufen wir und klatschen aufgeregt mit unseren Wohlstandspatschhändchen. Auf in die Zeit, wo Leistung noch lohnte! Wir kennen das Lied, mit dem wir Helmut betören können: „Schenk uns noch ein kleines bißchen Aufschwung, sei doch nicht so grob mit uns.“ Mit kokettem Augenaufschlag gibt Helmut nach. Noch immer glaubt er, daß er das Tempo bestimmt. Mit einem Seilzug hieven wir den Kanzler auf den Bock, und auf geht’s im gestreckten Galopp. Heißa, wie der Wind um die Ohren pfeift. „Vorwärts“, rufen wir, „vorwärts, Helmut! Zurück in die gute Zeit! Gemeinsam schaffen wir’s!“

Schon beim scharfen Antritt stürzen die ersten in den Dreck. Nach einer DGB-Studie um die vier Millionen. Selber schuld. Hätten sie besser in der Reitschule aufgepaßt. Die Bundesbank jubelt: Zuwachsraten wie Ende der siebziger Jahre. Dank unserer Cousinen und Vettern aus Dingsda. Aber das wird noch besser!

Schön brav essen, muntern wir die Vielfraße auf, denen der Oetker-Pudding bereits zum Halse rauskommt. Wer seinen Teller ausleckt, dem zeigen wir, wie der Wiederaufbau funktioniert. Mit dem Geschäft der Wunder kennen wir uns aus. Ihr arbeitet, wir kassieren den Mehrwert.

Beim Aufbau macht uns keiner was vor. Auch den Aufschwung beherrschen wir vorwärts und rückwärts. Den Umschwung schaffen wir abrupt und freihändig. Also spure schön, Helmut!

Die Kreditinstitute reiben sich die Hände, und die Autoindustrie boomt wie noch nie. Sicherlich, das Ozonloch brennt uns ganz schön auf den Pelz. Aber zur Zeit haben wir andere Sorgen.