Von Jürgen Dahl

Das gelbe Pappellaub hat sich als flache Decke über den ganzen Garten gebreitet, hängt im Gesträuch, und darüber leuchten allerletzte Rosen und eine ganz unzeitige Ritterspornblüte.

Nicht überall dürfen die Blätter liegenbleiben: Sie pappen zusammen und ersticken dann jene Pflanzenwesen, die den Winter als Rosette oder als Polster überdauern. Also muß der Hügel mit den weißberandeten Steinbrech-Arten freigelegt werden, auch der Thymian und die Madonnenlilie, eine der beiden Lilien, deren Grundblätter im Winter weitergrünen, während all ihre Schwestern tief im Boden schlafen.

Auch sonst gibt es genug Arbeit für die nächsten Wochen und Monate, für welche uns die Gartenkalender meist nicht mehr als den Gehölzschnitt und das Einölen der Heckenschere anzubieten haben. In Wahrheit reichen die kurzen Tage kaum aus, um alles zu bewältigen, was wir uns vorgenommen haben, vor allem: das Umpflanzen. Nicht nur Gehölze, auch die Stauden sind jetzt ganz unempfindlich gegen das Versetzen, und wenn wir die (vorsorglich schon im Laufe des Sommers geführte) Liste der nötigen Umsiedlungen bei frostfreiem Wetter abarbeiten, dann haben wir fürs Frühjahr wertvolle Zeit gewonnen. Die Pflanzen merken nichts davon, sie wachen einfach an einer anderen Stelle auf und werden sich um so weniger gestört fühlen, als sie es künftig besser haben.

Der Safrankrokus, der uns in diesem Jahr nur eine bescheidene Ernte geliefert hat, soll einen sonnigeren, wärmeren Platz bekommen, damit er freudiger und früher blüht. Der Alant, zu einem imposanten Busch herangewachsen, braucht einen Ort, an dem er seine mächtigen Blätter frei entfalten kann und an dem seine Wurzeln rundherum zugänglich sind, damit wir immer wieder ein paar Stücke davon abstechen können, um sie zu trocknen und dann darauf zu kauen, wenn uns Husten und Heiserkeit befallen.

Die unermüdliche Färberkamille (Anthemis tinctoria), die selbst jetzt noch weiterblüht, gehört an einen anderen Ort, damit ihr warmes Gelb nicht mehr mit dem schwefligen der Nachtkerze konkurrieren muß. Und der Fenchel! Er bekommt ein ganzes Revier für sich, das dann den Hintergrund abgibt für die violetten Blütenkerzen des Blutweiderichs am Teichrand.

In deutschen Gärten findet sich fast nur der einjährige Gemusefenchel, dem man fleischige, gestauchte Blätter anerzogen hat; wenn sie dick genug geworden sind, ist es um ihn geschehen. Der Gewurzfenchel hingegen ist ausdauernd. Ihn haben nur die Englander als eindrucksvolle Gartenstaude voll anerkannt und auch eine kupferfarben überhauchte Variation davon gezüchtet.