Daß Kinder in öffentlichen Verkehrsmitteln immer so viel Lärm machen, liegt vielleicht nur daran, daß sie nicht wissen, wie schwer es Kindergärtnerinnen haben, wenn sie dauernd mahnen müssen: "Bitte nicht so laut, ihr seid nicht die einzigen im Bus." Wobei Kinder ja selbst dann noch diesen Ausdruck von Unschuld haben, wenn sie ganz laut sind. Natürlich sind wir, falls wir Kinder mögen, durchaus bereit, diese Feststellung zu akzeptieren, obwohl unsere Ansicht über kindliche Unschuld auch falsch sein kann.

Ich fahre gern mit dem Omnibus. Nicht weil die Fahrt vom Bahnhof Altona nach Neumühlen so billig ist – sie ist für die paar Stationen sogar viel zu teuer –, sondern weil auf dieser Strecke der Linie 183 häufig lustige Horden aus dem Kindergarten mitfahren, die nach unten an die Elbe dürfen. Unter Aufsicht.

Die drei Betreuerinnen, die für etwa dreißig Gören zwischen vier und fünf Jahren verantwortlich sind, leisten schon beim Einsteigen Schwerstarbeit. Die Kleinen werden im hinteren Teil des Omnibusses verstaut. Der Lärm ist unbeschreiblich. Was meiner Sitznachbarin, sie ist etwa siebzig, einen Ausdruck von Besorgnis verleiht: "Wenn ich das man bis zur Endstation aushalte."

Aber dann passiert dies. Die Kinder reagieren nach der mehrfachen Aufforderung ihrer Begleiterinnen, nun doch endlich einmal den Schnabel zu halten, mit plötzlicher Lärmverweigerung. Es wird unheimlich still. Bis ein Plappermäulchen von ganz hinten ganz laut sagt: "Das ist eine Unverschämtheit."

Die Kleine sagt diesen Satz fortan bei jeder Kurve, bei jeder Ampel, bei jedem Stopp: "Das ist eine Unverschämtheit." Und man sieht ihr an, daß die Freude über diesen Ausdruck aus der Erwachsenenwelt immer größer wird, je häufiger sie diesen Satz wiederholt: "Das ist eine Unverschämtheit."

Und plötzlich ist der Bann gebrochen. Die Kindergärtnerinnen sind beruhigt. Der Lärm ist wieder da. "Blankenese, Harzerkäse", skandieren nun die Kinder auf ihrem Weg zur Elbe, oder: "Blankenese, Mayonnaise." – Die Freude am Reim und am Rhythmus ist groß.