Eine Guerilla-Gruppe legt im März die Waffen nieder, formt sich zu einer Partei um und erringt im Dezember bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung die relative Mehrheit: Kolumbien ist immer für Überraschungen gut, für gute wie schlechte. Der Erfolg der Demokratischen Allianz M-19 vom vergangenen Sonntag zählt zu den erfreulichen Ereignissen des Andenstaates, der durch Terror und Drogenkrieg in seinem demokratischen Restbestand gefährdet ist.

Über viele Jahrzehnte haben Konservative und Liberale entweder Krieg gegeneinander geführt oder in vereinbartem Wechsel in der Regierung das Land in den Abgrund regiert. Nun hat die soziale Frage, bisher weitgehend von kämpfenden Gruppen im Untergrund vertreten, eine gewaltlose Stimme.

Violencia hat leider Tradition in Kolumbien. Ob eine neue Verfassung dieses Grundübel ausrotten oder wenigstens abschwächen kann, wird jetzt auch davon abhängen, wie die traditionellen Kräfte mit der neuen Gruppierung umgehen werden. H. B.