Und du?“ Mit dieser Frage begannen vor fünfundvierzig Jahren Kinder ihre Vater zu löchern, um herauszukriegen, warum sie auf das Thema „Führer befiehl, wir folgen“ gleich die Ersten sein wollten und nun von allen die Letzten waren. So mancher Vater überließ Haut und Knochen erst mal dem Bett, und das Gedächtnis mußte warten; oder er nagelte Pappe vor die kaputten Fenster und sah schließlich auch vor der Tür nach dem Rechten; oder er spielte den geschundenen Helden in stillem Gedenken an die untergegangene Größe. Lehrer machten es wie Väter und versuchten, wieder Ordnung zu schaffen, aber alles nach der Reihe; Schuld und Grauen blieben so lange unter dem Tisch.

Jetzt fürchten Manner um die Vierzig, die ungeniert ihre Tüchtigkeit preisen und unentwegt mit ihrem Cliquen-Deutsch nach den Siegen und Niederlagen auf den 68er Kampfschauplätzen die DDR und deren Errungenschaften abgestuft hochstilisierten und nach dem Zusammenbruch erst mal stumm und voll wühlender Trauer waren, daß ihre Kinder sie in der guten Stube fragen werden: „Und du?“

Mancher Vater oder manche Mutter würden dann aus ihren Thementaschen wahrscheinlich gleich einige ihrer Festformeln ans Licht befördern: „Verrat des Sozialismus durch Pseudo-Antifaschisten“, „Verlust der Utopie“, „Sieg des Kapitalismus über das Kollektiv unermüdlicher Pfennig- und Moralbewahrer“. Lehrer und Lehrerinnen werden es trotz allem wie Väter und Mutter machen und gemeinsam versuchen, ihr „Basis-Engagement“ aufrechtzuerhalten, um das den Kindern geduldig als Diskussionsthema anzubieten.

Und wenn diese Kinder einmal erwachsen sind, werden deren Kinder auch wieder ihre Väter fragen: „Und du?“