Was in vielen Ländern längst geläufig ist, beginnt sich nun auch in Deutschland durchzusetzen: das Telephonieren mit der Karte. Die Karten sind nicht nur nützlich, sie haben auch schon Sammlerwert.

Bei der Postgesellschaft Telekom gibt es Telephonkarten mit 40 Einheiten zum Preis von 12 Mark und mit 200 Einheiten zum Preis von 50 Mark. Wer billiger telephonieren will, muß sich eine Karte zulegen, die eine monatliche Abrechnung der Gebühren zu 23 Pfennig pro Einheit ermöglicht. Der Betrag wird zusammen mit der Fernmelderechnung vom Konto abgebucht.

Die Telephonkarten der Telekom, die im Postamt zu erhalten sind, können zur Zeit an 20 000 Automaten im Westen der Bundesrepublik eingesetzt werden, im östlichen Teil Deutschlands gibt es schon 600 solcher Apparate. Jährlich 10 000 weitere Kartentelephone kommen im Westen hinzu, 1996 wird mit 70 000 Automaten die Hälfte aller öffentlichen Fernsprecher nur noch per Karte zu bedienen sein. Im Osten Deutschlands soll es bis 1997 insgesamt 38 000 solcher Fernsprecher geben, allein 1991 werden 4400 Apparate installiert. An den großen Flughäfen im Westen Deutschlands können an wenigen Automaten auch schon die gängigen Kreditkarten eingesetzt werden.

An einer standardisierten europäischen Telephonkarte mangelt es noch. Wie sie beschaffen sein könnte, darüber hat man sich gerade bei einem Symposium in Nürnberg Gedanken gemacht.

Für Reisende, die viel im Ausland, besonders in den USA, unterwegs sind oder häufig mit Partnern in Nordamerika telephonieren müssen, lohnt sich der Einsatz von Karten privater Gesellschaften. Ab Mitte Dezember wird in Deutschland die World Card der Londoner Metro International vertrieben. Sie kostet eine Jahresgebühr von 25 Dollar, die Gespräche werden über eine gebührenfreie Nummer und einen Operator hergestellt. Abrechnen will Metro International über das Kreditkartenkonto des World-Card-Inhabers nur die üblichen Telephoneinheiten.

Seit einigen Jahren schon bietet die amerikanische Gesellschaft AT & T eine Karte an, die nach einem ähnlichen System funktioniert. Inzwischen sollen sich 40 000 Deutsche an den Umgang mit der Karte gewöhnt haben, die auch längere Gespräche von Deutschland in die USA erheblich verbilligt. In den USA eingesetzt, kostet die transatlantische Minute außerhalb der Spitzenzeiten unter einem Dollar.

Diese Karte allerdings, die schon weltweit 40 Millionen Benutzer hat, ist der Hotellerie ein Dorn im Auge. Schließlich finanzieren die Hotels ihre zum Teil aufwendigen Telephonanlagen über die erhöhten Gebühren, die sie ihren Gästen abknöpfen. Karteninhaber dagegen lassen keinen Pfennig für ihre Gespräche in der Hotelkasse. Während die meisten Hoteliers dies zähneknirschend hinnehmen, geht ein Bonner Luxushotel rigoros vor: Dort wurde die gebührenfreie Nummer, über welche die Kartentelephonate abgewickelt werden, für die Hotelgäste gesperrt. Aus technischen Gründen sind jetzt allerdings auch alle anderen gebührenfreien 01 30-Nummern dieser Herberge für die Kunden tabu.