Als der Spaßmacher und ewige Spielverderber begreift, daß sein Spiel verloren ist, bricht er an der Rampe zusammen. Und schickt einen letzten Schrei zum Himmel: „Der alte Mann verfluchte mich!“ Vorhang.

Nein, wir sind noch nicht im schönen Bonn, sondern im noch schöneren Mantua. Der Spaßmacher ist nicht der dreiste Oskar L., sondern der noch dreistere Herr Rigoletto. Und den vernichtenden Fluch schickt weder der Alte aus Unkel noch der Alte aus Langenhorn, sondern ein gewisser Graf Monterone.

Die Oper singt nicht nur. Die Oper belehrt uns auch: Wer vor den Alten sich nicht verneigt, wer mit den Alten es sich verdirbt, der sieht selber plötzlich ganz alt aus – und muß, noch in der Blüte seiner Jünglingsjahre, das Spielfeld verlassen.

Denn dies sind heroische Zeiten. Da muß einer schon im Geschirr gehen können, ja im Joch. Und dazu sind, wie es aussieht, unsere vor Vitalität geradezu berstenden Greise viel besser geeignet als ihre trostlosen, schlappen Nachfahren.

Daß der britische Thronfolger unaufhaltsam dahinwelkt, weil er den Thron nicht besteigen darf, kann uns als ein ausländisches Problem nur menschlich und am Rande berühren. Daß aber Joachim U. (37) das berühmte Verlagshaus S. für ein halbes Jahr verlassen möchte (oder muß), um außerhalb „neue Perspektiven“ zu suchen, führt wieder mitten hinein ins deutsche Elend. Vor den Vätern gehen die Söhne: Joachim flieht ganz offenbar, weil es ihn in Vater Siegfrieds Riesenschatten fröstelt.

Verjüngung täte not? Genau das Gegenteil ist richtig: Die Alten machen’s immer noch am besten – alles, überall und immer. Wer ein richtiger Chef (sprich: Schäff) ist, der sollte immer Chef bleiben, bis ans Ende seiner Tage. Wer ein richtiger Chef ist, der läßt sich nur vom größten Chef ablösen, von Chef Hein persönlich.

P.S. Im Augenblick, da diese kleine vorweihnachtliche Betrachtung erscheint, befindet sich das alte Jahr (1990) im fortgeschrittenen Greisenalter. Da es ein so gutes, starkes Jahr gewesen ist, sollte es am 31. Dezember keinesfalls abtreten, sondern rüstig weitermachen. Sollte alt und älter werden, kalt und kälter, bis es nicht mehr kann.

Aber der Lenz, der süße? So können nur notorische Weichlinge, Hedonisten und Dünnbrettbohrer fragen. Der Frühling samt Frühlingserwachen fällt aus. Bis auf weiteres. Finis