Der Eisbrecher sei Willy Brandt gewesen, findet Hans-Jochen Vogel. Er will es nicht laut hinausposaunen, weil das zu sehr nach Parteipolitik klingt. Aber zutreffend sei es dennoch, nicht wahr?

Vogel meint damit die Rolle, die Brandt mit seiner Reise nach Bagdad spielte. Er hat vermutlich ganz recht. Brandt hatte seine Reise zielstrebig geplant und durchgesetzt. Eisern hielt er nach der Rückkehr an seiner Einschätzung fest, obwohl auch er zunächst von dem konkreten Ergebnis ein bißchen enttäuscht zu sein schien. Er bescheinigte Saddam Hussein Verstand, Kenntnisse und Überlegungen, wandte aber zugleich ein, von seiner wirklichen Lage habe er keine Ahnung.

Keiner der vielen Emissäre hat wohl zur Aufwertung des Diktators ebenso viel beigetragen wie Brandt. Seither wird auf die Anschuldigung verzichtet, es handle sich um einen „neuen Hitler“. Inzwischen läuft die Ausreiseaktion aller Geiseln. Washington bereitet sich auf Gespräche in Bagdad vor. In Bonn gilt die Frage als weit weniger dringlich, wie schnell man die Verfassung ändern müsse, um eventuell doch deutsche Truppen an den Golf entsenden zu können.

In der Wahl- und Nachwahlhektik, während der SPD-Krise und der Koalitionsquerelen sind die Mission und ihre Folgen beinahe wieder vergessen worden.

In der Wahlnacht waren sich fast alle einig, daß künftig von Bonn und Berlin aus regiert werden müsse. Die Funktionen sollten geteilt werden, rieten Regierung und Opposition beinahe einhellig.

Wenn Berlin dennoch mehr herausschlagen möchte, verhält es sich wohl eher kontraproduktiv. Das ist schon Walter Momper geglückt mit seinem polterndem Werben. Ähnlich plump gibt sich nun Eberhard Diepgen, der Wahlsieger, wenn er Berlin und Bonn mit Rom und Brindisi vergleicht.

Da fällt es den Bonnern dann leichter, politisch und staatstragend zu argumentieren. Zum Beispiel Oberstadtdirektor Dieter Diekmann: „Es geht darum, an welche Tradition wir mit dem neuen Deutschland anknüpfen. Ob der funktionierende Polyzentrismus und die föderativen Strukturen weitergetragen werden oder ob man einen mehr zentralistischen Weg geht – darum geht es.“