Wolfsburg wird zum Glück nie so werden wie die heruntergekommene Autometropole Detroit. Volkswagen aber verfolgt dieselbe Politik wie früher der amerikanische Weltmarktführer General Motors; der größte deutsche Automobilkonzern übernimmt immer mehr marode Fabriken und Marken in Europa. Vor vielen Jahren war es Audi, dann das spanische Unternehmen Seat. Nun schluckt VW den tschechoslowakischen Traditionsbetrieb Skoda und legt sich damit die vierte Marke zu.

Das Eintrittsgeld zum Ostgeschäft ist hoch; beinahe zehn Milliarden Mark will VW bis zum Jahre 2000 in die Skoda-Modernisierung investieren und damit die Arbeitsplätze sichern. Doch dafür bekommen die Wolfsburger auch etwas: einen Namen, der überall in den Reformländern gut klingt, und ein Service- und Vertriebsnetz dort, wo für VW die Landkarte bisher schlicht weiß war.

Die Skoda-Beschäftigten haben endlich eine Perspektive, denn allein konnten sie nicht überleben. Sie waren von Anfang an für einen Einstieg der Deutschen, deren Konzept sehr langfristig und vor allem sehr sozial ausgerichtet ist, und gegen das gemeinsame Konkurrenz-Angebot von Renault und Volvo, das von höchsten französischen Politikern massiv protegiert wurde. Die Deutschen machten nicht den Fehler, auf gleiche Weise dagegenzuhalten. Das hätte nur ungute Reminiszenzen ausgelöst. Die VW-Manager traten leise auf – und gewannen. uth

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