Zum Tode von Armand Hammer

Hat Armand Hammer seine Moskauer Verbindungen genutzt, um sein eigenes Busineß zu fördern? Oder hat er mit seinen Geschäftskontakten die Interessen der Sowjetunion gefördert? Diese Frage ist in Amerika oft gestellt worden, aber nur wenige scheinen verstanden zu haben, daß für Hammer in dieser Frage kein Gegensatz lag, auch kein moralisches Problem.

Als Sohn jüdischer Einwanderer aus Rußland war er auf dieses Land fixiert, besaß er zudem das, was in der Sprache seiner Väter chutzpah genannt wird: die Fähigkeit, zäh und gelegentlich auch unverschämt an einer Sache festzuhalten. Niemand hatte den jungen amerikanischen Mediziner gezwungen, 1921 mit einem Feldlazarett auf eigene Rechnung in das marode nachrevolutionäre Moskau zu gehen.

Von der Hauptstadt reiste er in den Ural, um dort die Idee seines Lebens zu entdecken. Armand Hammer sah Hunger und Armut in den Dörfern, aber er sah auch die üppigen Bodenschätze; gegen Anteile an diesen Reichtümern versprach er im Gegengeschäft Getreide.

In Lenins Augen war Hammer eine Art Musterkapitalist, ein auf Profit bedachter Helfer, der in den Sowjetstaat Kapital und Technik transferierte. Hammer nannte Lenin einen Freund. Von Stalin hielt er sich fern, und erst unter Breschnjew nahm er die alten Fäden wieder auf. Abermals genoß er alle Privilegien: Wohnung in Moskau, Landerecht für das Privatflugzeug, Ruhe vor dem KGB.

Als er vor vier Jahren einen prunkvollen Photoband drucken ließ („Die Welt des Armand Hammer“), stand der Moskauer Hammer im Zentrum, der Mann, der die Prominenz und die roten Teppiche der kommunistischen Gesellschaft genauso genoß wie die High-Society des Westens. Wie kaum ein anderer vermochte er es, die beiden gegensätzlichen Systeme in eine funktionelle Beziehung zu bringen. An den Berührungsstellen machte er das große Geld.

Die Welt des Armand Hammer ist nun versunken. Der eigensinnige Grenzgänger verstarb am Montag in Los Angeles im Alter von 92 Jahren.

Ulrich Schiller (Washington)