Von Roger de Weck

Es begann vor vierzig Jahren, als der französische Außenminister Robert Schuman seinen Plan einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl vorlegte: Die Montanunion war der Grundstein jenes Bauwerks, das sich heute kurz und bündig die Europäische Gemeinschaft nennt. Die Zahl der Mitglieder hat sich inzwischen von sechs auf zwölf verdoppelt, und das Nahziel lautet jetzt: Wirtschafts- und Währungsunion, also die Schaffung einer einheitlichen Währung für Europa. Darüber wird eine der beiden großen EG-Regierungskonferenzen beraten, die Helmut Kohl und seine in Rom versammelten Kollegen am Samstag eröffnen. Die andere Regierungskonferenz soll die Politische Union voranbringen – ein Fernziel, denn die Gemeinschaft ist zwar weit mehr als ein Staatenbund, aber noch lange kein Bundesstaat.

In der Stadt am Tiber wurden 1957 die Römischen Verträge geschlossen, die das Fundament der EG bilden. Die zwölf Staats- und Regierungschefs, die sich jetzt im Palazzo Montecitorio einfinden, sind denn auch dem "visionären Pragmatismus" der Gründerväter Robert Schuman und Jean Monnet verpflichtet. Die beiden Franzosen wußten, daß sich die Einigung eines Kontinents nicht dekretieren läßt. Deshalb bestand ihr nach wie vor gültiger Ansatz darin, zielbewußt kleine Schritte zu machen – bis zu dem Punkt, da nur noch ein Sprung nach vorn weiterhilft.

Die Richtigkeit dieser ebenso einfachen wie anspruchsvollen Methode zeigt sich nirgends so deutlich wie am Beispiel der europäischen Währungsordnung. Als die etwas primitive "Wäh-

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rungsschlange" nicht mehr richtig biß, wagte man 1979 den Sprung zum Europäischen Währungssystem. Heute, da das EWS an seine Grenzen stößt, bietet sich keine vernünftige Alternative zur Währungsunion. Zwar regt und erregt sich jedesmal eine Vielzahl von Warnern, die einseitig die Gefahren des Status quo und die Chancen der Neuerung unterschätzen. Doch Staatsmänner sind dazu da, sich im entscheidenden Augenblick über die Bedenkenträger hinwegzusetzen.