Wie die schädlichen Folgen eines kulturellen Massentourismus zu begrenzen sind, wurde kürzlich bei einem Symposion im niederländischen Museumsschloß Het Loo erörtert. Als Beispiele dienten Het Loo selbst und Windsor Castle.

Nach sieben Jahren eingehenden Überlegens hat man in Het Loo Wege gefunden, eine friedliche Koexistenz zwischen Touristen und Kunstwerken zu schaffen – mit verblüffend einfachen Mitteln. Das Ende des 17. Jahrhunderts ursprünglich als Jagdschloß gebaute Het Loo in der Nähe der Stadt Apeldoorn mußte seit seiner Öffnung für das Publikum im Juni 1984 drei Millionen Besucher verkraften. Bis zu 4000 Neugierige erkunden täglich in den Spitzenzeiten zwischen 11 und 15 Uhr die vorbildlich restaurierten Räume, die bis 1962 die Residenz der niederländischen Königsfamilie gewesen waren.

„Unser Problem bestand darin, eine Synthese zu finden“, erklärt Adriaan Willem Vliegenthart, Direktor von Het Loo. „Einerseits mußte der Palast geschützt werden vor seinen Besuchern, die am liebsten alles berühren wollen. Andererseits mußte er seinen ursprünglichen Charakter bewahren. Denn gerade das macht ihn ja für das Publikum so anziehend.“

Aus diesem Grunde stößt man nicht auf die vielerorts zum Abtrennen benutzten Kordeln, statt dessen sind in Kniehöhe unsichtbare Nylonschnüre gespannt, die jeden Neugierigen, der sich zu weit vorwagt, zurückzucken lassen: „Es tut nicht wirklich weh, ist aber sehr, sehr wirksam“, stellte Vliegenthart hochzufrieden fest. Weitere Museumskennzeichen wie etwa die Hinweistäfelchen sind auf mobilen Ständern angebracht, so daß sie bei Konferenzen oder Festlichkeiten im Handumdrehen entfernt werden können. Ein ockerfarbener Läufer hält die Besucher automatisch auf dem richtigen Kurs: „Neunzig Prozent Wolle, unstatisch und unverwüstlicher als Kunststoff. In den sechs Jahren seit der Eröffnung mußte noch kein Zentimeter erneuert werden.“ Plexiglas schützt auf fast unsichtbare Weise kostbare Stoffe und Wandbespannungen in Reichweite von Besucherhänden. Gegen Schädigungen durch Licht wurden im ganzen Palast an der Innenseite zweite Fenster mit UV-Filter eingebaut, die darüber hinaus vor Einbrüchen schützen.

Auch die Stärke des Kunstlichts wurde gedrosselt, mancherorts sogar auf Kerzenlichtstärke von nur drei Watt. Nichts, so lobt Vliegenthart seine Gäste, sei bisher zerstört oder gar entwendet worden. Selbst in den originalgetreuen Schildchen an den Blumenbeeten der Parkanlage habe noch niemand ein Souvenir gesehen: „Solange wir die Besucher mit absoluter Ordnung und Disziplin konfrontieren, halten sie sich daran. Deshalb müssen unsere Aufpasser auch blitzschnell jedes weggeworfene Papierchen aufräumen.“

John Colin Colby, Leiter des Planungsbüros in Windsor, mußte zu etwas drastischeren Mitteln greifen, um die Besucherflut im Zaum zu halten. Die Kleinstadt mit ihren 30 000 Einwohnern wird pro Jahr von mehr als vier Millionen Touristen überflutet. Um die vielen unter Denkmalschutz stehenden Häuser zu schützen, die den Abgasen ausgesetzt sind und ins Vibrieren geraten, wenn schwere Touristenbusse durch die engen Sträßchen donnern, hat man bereits weit vor der Stadt ein ausgeklügeltes Wegweisersystem aufgebaut. Schilder leiten Pkw und Busse um das Zentrum herum auf gesonderte Parkplätze. Der Stadt bleibt dadurch auch ein häßlicher Schilderwald erspart.

Da die meisten Besucher ausschließlich wegen des Schlosses kommen und die wenigsten wissen, was die Stadt sonst noch an Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, wurde eine Aufklärungskampagne gestartet. Dadurch verteilen sich die Touristen mittlerweile räumlich und zeitlich besser.