Die in Deutschland nur wenig bekannte französische Accor-Gruppe mausert sich zur größten Hotelgesellschaft der Welt. Jetzt steigt sie auch ins Veranstaltergeschäft ein.

Wenn von internationalen Hotelketten die Rede ist, fallen meistens die Namen Hilton, Holiday Inn, Sheraton, Ramada, Inter-Continental und vielleicht noch Marriott und Hyatt. Von einer der wichtigsten Gesellschaften ist kaum die Rede: von der französischen Accor-Gruppe, die inzwischen zu einem der Giganten der Branche aufgestiegen ist und in den nächsten Jahren noch weiter kräftig expandieren will – auch in Deutschland.

Daß Accor praktisch nur für Insider ein Begriff ist, hängt mit der Markenpolitik der in Evry bei Paris angesiedelten Gesellschaft zusammen, die korrekt als Entreprise d’Hôtellerie, de Restauration, de Service, S.A. firmiert. Sie betreibt Hotels unter dem Namen „Sofitel“, „Mercure“, „Novotel“, „Ibis“, „Urbis“ sowie „Formule 1“ und deckt damit die ganze Palette vom Fünfsternehaus bis hinunter zum Billigsthotel ab.

Neben dem britischen Bettenmulti Trusthouse Forte zählt die Accor-Gruppe auch zu den Gesellschaften, die in größerem Rahmen über die Grenzen Europas hinaus wächst. Einen aufsehenerregenden Coup landete sie erst im letzten Sonmer, als sie für 1,3 Milliarden Dollar die in Dallas beheimatete Motel-6-Kette mit 554 Häusern in 42 US-Staaten kaufte. Die Franzosen besitzen oder betreiben inzwischen 850 Häuser in 60 Ländern der Erde, 775 davon fallen in die Kategorie der Hotels mit gemäßigten Übernachtungspreisen. Ihre Zahl möchte man innerhalb weniger Jahre auf rund 2000 erhöhen.

In der Bundesrepublik ist die 1972 gegründete Accor-Gruppe seit 1984 aktiv. Noch nicht vertreten sind die Franzosen bei uns mit ihren Hotelmarken „Sofitel“ und „Formule 1“. Das könnte sich bald ändern, zumal im Zusammenhang mit dem von der Treuhand geplanten Verkauf der 34 Interhotels auf dem Gebiet der ehemaligen DDR auch die Accor-Gruppe als Interessent genannt wurde.

Was die Expansion der „Formule-1“-Kette betrifft, schielen die Franzosen ohnehin schon längere Zeit über die Grenze. Diese schlichten Häuser, oft als „Container-Hotels“ belächelt, sind vor allem entlang der französischen Fernstraßen zu einem großen Erfolg gevorden und erreichen durchschnittliche Belegungen von 86 Prozent. Das Accor-Billigprodukt, mittlerweile bereits rund 150mal vorhanden, bietet in einfach ausgestatteten Zimmern jeweils ein Doppel- und ein Einzelbett, Fernsehapparat und Weckautomatik, fließend warmes und kaltes Wasser sowie Klmaanlage. Dusche und WC befinden sich auf der Etage – für sechs Zimmer jeweils eine Einheit. Ein Restaurant gibt es nicht.

Auch beim Personal wird gespart: Zu den Stoßzeiten morgens und abends wird der Empfang zwar besetzt, ansonsten muß der Besucher allerdings mit einem Computer an der Rezeption vorliebnehmen, und der akzeptiert nur die Visa-Kreditkarte. Dafür aber ist die Übernachtung spottbillig: Ganz gleich, ob das Zimmer mit einem Gast oder zwei oder drei Personen belegt ist, müssen umgerechnet rund 35 Mark gezahlt werden. Für das Frühstück werden pro Person noch einmal sechs Mark berechnet.