Von Rainer Frenkel

Zimperlich ist Rudolf Mühlfenzl nie gewesen. Der frühere Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks und spätere Privatfunk-Lobbyist ist mit seinen Ansichten und Entscheidungen stets und gern angeeckt.

So wird es ihn nicht stören, wenn er nun als Rundfunkbeauftragter für das Gebiet der früheren DDR auf Widersacher stößt. Allerdings: Öffentlich reden dürfen die nur noch mit seinem Segen.

Darum hat er seine Ostberliner Mitarbeiter, insbesondere also die Intendanten Christoph Singelnstein (Hörfunk) und Michael Albrecht (Fernsehen/DFF) schriftlich angewiesen, öffentliche Bemerkungen über "zukünftige Programmentscheidungen, Inhalte, personal-, medien- und geschäftspolitische Entscheidungen" mit ihm oder seinen Stellvertretern "abzustimmen". Nach vierzig Jahren zentraler Befehls Wirtschaft und einigen Monaten freier Arbeit heißt es also wieder: Mund halten.

Einer will das nun gar nicht einsehen: Jörg Hildebrandt, stellvertretender Intendant des Ostberliner Funkhauses, empörte sich in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst: "Mir kommt das manchmal vor, als hätten wir einen Krieg verloren und müßten uns in die bedingungslose Kapitulation begeben. Wenn wir in diesem Bild bleiben – und es ist mehr als ein Bild –, dann betritt er (Mühlfenzl) ja Feindesland."

Singeinstein und Albrecht jedoch haben den Fehdehandschuh liegen gelassen. Sie wissen: Sie müssen mit Mühlfenzl zusammenarbeiten, wollen sie retten, was zu retten sich lohnt. Daß der alte zentrali’stische und früher zu Propagandazwecken mißbrauchte Apparat nicht überleben kann, daß der Rundfunk auch "drüben" in die Hände der Bundesländer gegeben werden muß, wissen sie ebenso. Und das auch noch unter höchstem Zeitdruck: Bis Ende 1991, so will es der Einigungsvertrag, muß die neue Ordnung stehen.

Unverständlich bleibt darum für viele Beteiligte, warum die neuen Länder, deren Parlamente längst handlungsfähig sind, so lange gezögert haben, den ebenfalls vom Einigungsvertrag vorgeschriebenen Rundfunkbeirat zu wählen.