Ein Zusammenschnitt verschiedener innerer Monologe macht noch keine Erzählung. Das demonstriert Eleonore Frey mit großem sprachlichem Geschick in ihrer Erzählung „Schnittstellen“. Adam, der Dreißigjährige, mit dem es („Ich weiß nicht, wie ich’s anfangen soll, das Buch nämlich, jeder Satz kann der erste sein“) zufällig beginnt, hört Stimmen aus seinem Leben: Stimmen, die im Nebel, in seinem Kopf wabern und labern. Einfallsreiche Wortspiele, gnadenlose Alliterationen („kicherte sie und versickerte im Schlick“): Sprachgymnastik hält die Geschichte in Atem, der ihr sonst schnell ausgehen würde.

Adams Eva ist Sängerin, und ihrer beider Vertreibung aus dem Paradies erfolgte an einem Olmützer Küchentisch. Sonst sind bevorzugte Orte der Handlung: Bahndamm im Regen, Teich, in dem sich nächtens Platanen spiegeln, Kaschemme mit rotem Vorhang. Und ein Irrenhaus, dessen Chef selbst verrückt wird. Verrückt, das heißt poetisch. Und wie: „Eine andere Ebene in seinen Gedanken, zwei Stufen aufwärts und dann links.“

Seine Frau muß Luise heißen, um eine Kunstfertigkeit wie (nach Jandl) „laut und Luise“ zu ermöglichen. Irre geben sprachlich einiges her, aber auch Verwachsene, die selbstverständlich Quasimodo heißen, psychotische Jüdinnen im weißen Kleid und umherschweifende Gaukler, lächelnd am Fuße der Leiter. Sie alle treffen sich aus nur der Autorin verständlichen Gründen, prallen wie Billardkugeln zusammen und rollen einsam in ihren seltsam eiernden Gedankenbahnen aus.

Das Ganze halten sämige Metaphern aus Nebel und Trakl, Tod und Teich, schwarzen Sternen und blauen Augen zusammen. So werden „Schnittstellen“ zu Klebstellen und aus unfertigen Prosastückchen wird eine Erzählung. Mit etwas mehr Distanz zur eigenen Sprachfertigkeit hätte Eleonore Frey vielleicht ein paar sehr eigenartige und überraschende kleine Geschichten daraus machen können. Katharina Döbler

  • Eleonore Frey:

Schnittstellen

Verlag Droschl, Wien 1990; 136 S., 22,– DM