Ergebnisse und Schwierigkeiten der Prüfung unkonventioneller Krebstherapien

Von Barbara Ritzert

Wollen Sie das wirklich sehen?“ fragte die Frau. Oberarzt Herbert Kappauf wollte. Was er sah, als er den Verband entfernte, war ein aufgebrochenes Krebsgeschwür, das die linke Brust der Patientin nahezu vollständig zerfressen hatte. Bereits vier Jahre zuvor hatte ein Gynäkologe einen kirschgroßen Knoten entdeckt und der damals 44jährigen dringend zu einer Operation geraten. Doch die Frau lehnte ab. Statt dessen suchte sie mehrmals einen „Geistheiler“ auf. Dieser versicherte ihr (für mehrere tausend Mark), daß sie gesund sei, wenn sie nur richtig daran glaube. Die Geschwulst wuchs weiter.

Die Frau wandte sich an einen anderen Therapeuten. Dieser behandelte sie – ebenfalls für viele tausend Mark – mit Frischzellen und Mistelextrakt. Die Geschwulst wuchs weiter. Schließlich weigerte sich ihr Hausarzt, die gewünschten homöopathischen Medikamente weiter zu verordnen und überredete sie zu einer Untersuchung im Institut für Onkologie am Nürnberger Klinikum. Dort konnten Herbert Kappauf und seine Kollegen nur noch Schmerzen lindern, für eine Heilung war es zu spät. Es ist ein Fall von vielen, über den die Nürnberger Ärzte in der Münchener Medizinischen Wochenschrift berichteten.

Kein klarer Nutzen

Eine Statistik des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg weist aus, daß 13 Prozent der Anrufer sich nach „unkonventionellen“ Therapien erkundigen. Amerikanische Wissenschaftler kommen zu dem Schluß, daß etwa 85 Prozent der Krebspatienten in den USA derartige Therapien zusätzlich zu einer „schulmedizinischen“ Behandlung einsetzen, 15 Prozent setzen ausschließlich auf unkonventionelle Konzepte. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Bei den häufigsten Krebsleiden wie Lungen-, Brust- oder Dickdarmkrebs können die Ärzte – bei fortgeschrittener Krankheit – allenfalls das Leben verlängern und Leiden lindern, heilen können sie nicht. Und selbst wenn eine Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde, leben die Patienten häufig mit der Unsicherheit, ob der Tumor oder Metastasen nicht doch Jahre später erneut zu wuchern beginnen. Nur allzuoft werden die Menschen mit ihren Ängsten alleine gelassen.

Diese Lücken der konventionellen Krebsbehandlung werden von der „Alternativmedizin“ besetzt. Oft wolkig umschrieben und mit magischen Attributen verbrämt, wird Linderung oder gar Heilung ohne schädliche Nebenwirkungen versprochen. Die Vielfalt ist nahezu unüberschaubar: Sie reicht von Diätempfehlungen über verschiedene psychologische Ansätze, Pflanzenextrakte, Mineralien, verschiedene Chemikalien, Ozon-, Sauerstoff- und Überwärmungstherapie bis hin zu spirituellen Ansätzen.