Bei allem Zorn über Saddam: Die Saudis spüren nur wenig vom Konflikt mit dem Irak

Von Dieter Buhl

Riad, im Dezember

Nach der fahlbraunen Eintönigkeit der Wüste fügen sich das frische Grün des Rasens und die Blumenrabatten zu einer Oase. Am westlichen Stadtrand von Riad erstreckt sich, gepflegt und künstlich bewässert, eine Parklandschaft, begrenzt durch eine Straße und eine hohe Mauer. Die Autofahrer tun jedoch gut daran, dem von Menschenhand geschaffenen Wunder der Natur nicht zu ausgiebig Beachtung zu schenken. Schon gar nicht sollten sie anhalten, um einen Blick durch das prächtige Tor im Mauerwerk zu werfen. Die überall patrouillierenden Soldaten verstehen keinen Spaß. Sie bewachen aufmerksam und energisch das Zentrum der saudischen Macht, den Königspalast.

Dabei hält sich der Monarch nicht einmal in seinem milliardenteuren Gemäuer auf, neben dem sich der Buckingham Palace geradezu bescheiden ausnimmt. König Fahd hat sich in diesen Wochen wieder einmal in sein noch prächtigeres Refugium nach Dschidda abgesetzt. Den "Hüter der zwei heiligen Stätten" von Mekka und Medina trieb nicht die Angst vor einem Krieg die tausend Kilometer nach Westen. Er fühlt sich in der lebendigen Stadt am Roten Meer einfach wohler als im spröden Riad.

Wie der König, so lassen auch seine Untertanen weder Angst noch Panik erkennen. Der erste Schock nach der irakischen Invasion Kuwaits ist längst verflogen. "Wir sind eine friedliche Nation, die Probleme auf diplomatische Weise zu lösen sucht", erklärt ein hoher Beamter den anfänglichen Schreck, "deshalb waren wir nach dem Einmarsch nicht bloß nervös, sondern zornig und verbittert." Seit die Experten behaupten, Riad liege außerhalb der Gefahrenzone, weil die irakischen Raketen nicht so weit reichten, ist wieder Normalität eingekehrt.

Die Verbitterung aber ist geblieben. Am 2. August hat sich plötzlich ein Schatten über das unermeßlich reiche, selbstzufriedene Ölland gelegt. Tagelang waren die saudischen Bürger von der eigenen Regierung im unklaren gelassen worden. König Fahd fiel es offenbar schwer, sein Volk über die Bedrohung zu unterrichten. Noch schwerer ging ihm die Nachricht von der Zunge, fremde Truppen seien unterwegs, um Saudi-Arabien vor dem arabischen Bruder Irak zu schützen. Die städtische Bevölkerung wußte dennoch bald Bescheid. In den ersten Augusttagen waren auf einmal keine Dollars mehr zu haben. Kurzwellenempfänger waren über Nacht ausverkauft.