Bereits zum zweiten Mal wurde dem Photoreisebuchverleger und seiner Lebensgefährtin Jackie Blackwood ein Kodak-Photobuchpreis, die höchste Trophäe verlegter Photographie in Deutschland, verliehen; nach der Auszeichnung für das Photoreisebuch "Lissabon-Hongkong – mit der Eisenbahn" im Jahr 1988 diesmal für das neueste Werk, "Bilder aus Irland". Es ist der mittlerweile fünfte Bildband, der in dem kleinen Selbstverlag Kajo in Hannover erschienen ist.

Seit Jahren geht der 42jährige Verleger, Autor und Photograph eigene und unkonventionelle Wege. In einer Zeit, in der eine schier unüberschaubare Flut von Bildband- und Reiseführerreihen in die Buchhandlungen gespült wird, unterscheiden sich seine Bücher wohltuend von vielen eilig produzierten Billigprodukten, in denen oft schamlos kopiert und plagiiert wird.

Daß er heute ein erfolgreicher Reisebuchverleger und -autor sein würde, hätte sich Karl Johaentges vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Noch 1980 beschäftigte er sich als angestellter Architekt mit den Interessen angehender Eigenheimbesitzer, dem Paragraphenwirrwarr der Baubehörden und den Baufirmen. Von großen Reisen hielt er bis dahin wenig.

Die begeisterten Briefe und Erzählungen seiner Schwester, die sechs Jahre lang allein um die Welt reiste, veranlaßten ihn nach langem Überlegen, den Beruf am Schreibtisch aufzugeben, sein Auto zu verkaufen und sich im Herbst 1981 auf eine dreieinhalb Jahre dauernde Weltreise zu begeben. Vor der Abreise schrieb er Briefe an 35 Architekten in der ganzen Welt, mit der Bitte, für einige Zeit bei ihnen arbeiten zu dürfen. Sein Ziel war, die fernen Länder und deren Menschen nicht aus der Touristenperspektive, sondern im normalen Arbeitsalltag kennenzulernen. Außerdem war vorauszusehen, daß er mit den gesparten 9000 Mark nicht weit kommen würde.

Die erste von acht Zusagen kam aus Indien. In Baroda entwarf er achtzig Tage lang für 250 Mark im Monat Häuser. Sein Weg führte ihn "wie einen Wandergesellen aus vergangenen Zeiten" (Johaentges) unter anderem in Architekturbüros nach Hongkong, Macao, Australien, Neuseeland und Japan, wo er insgesamt anderthalb Jahre arbeitete. "Zum einen mußte ich mir das Geld für die Weiterreise verdienen", sagt Johaentges, "andererseits konnte ich so wenigstens mit einem Bein aus der Haut des Touristen, des Eindringlings, des Voyeurs schlüpfen." So beschreibt er den Versuch, die "in uns lauernde Mentalität des Abhakens" ein wenig zu mildern und einen Blick hinter die Kulissen der bereisten Länder zu werfen.

Als er 1984 mit insgesamt 8000 Dias und einem Stapel engbeschriebener Tagebücher zurückkehrte, verwirklichte er unter großen Schwierigkeiten den Traum eines Bildbandes mit den Erfahrungen und den Photos seiner Weltumrundung. Nach dem mißglückten Versuch mit einem Münchener Verlag, der bald nach Vertragsunterzeichnung Konkurs ging, gründete der aus seinem Architektenleben mit Graphik und Layout vertraute Johaentges seinen eigenen Verlag. In den sechzehn Quadratmetern eines Wohngemeinschaftszimmers in Hannover entstand an Computer und Lichttisch sein Bilderlesebuch "Bilder einer Weltreise", eine Mischung aus Reportagen, Tagebuchnotizen und Diareproduktionen. Das Zimmer war nicht nur Arbeits-, sondern auch Wohnstätte, in der er mit seiner australischen Lebenspartnerin Jackie Blackwood, die er an einem Strand auf Bali kennengelernt hatte, lebte.

Obwohl durch die Produktion des Bandes hochverschuldet, ermutigte ihn das überschwengliche Lob der Fachwelt auf sein Erstlingswerk, das Architektendasein endgültig aufzugeben und seine ganze Energie in den Kajo-Verlag zu stecken. So entstanden bis heute fünf Reisebildbände, die Johaentges und Blackwood immer wieder für längere Zeit in entlegene Gegenden der Welt führten.