Lindau

Sie sei "die größte Lügnerin in der Partei", soll der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende der Republikaner, Hans Dorn, seine Parteifreundin Centa Hirsch bei einer Parteiversammlung in Königsbrunn beschimpft haben. Und deshalb hat die Exbundesgeschäftsführerin dem Rechtsanwalt Dorn von ihrem Rechtsanwalt eine Abmahnung in Höhe von 325,80 Mark zustellen lassen, wegen Beleidigung. Doch Dorn dachte nicht daran zu zahlen und schickte seinerseits der werten Kollegin eine Abmahnung über 500 Mark. Weil sie ihm – ebenfalls vor Parteifreunden – vorgehalten habe, er sei in eine frühere Alkoholabhängigkeit zurückgefallen. So kam es vor dem Zivilrichter Thomas Walther beim Amtsgericht in Lindau zu einer Verhandlung Republikaner gegen Republikaner.

Die Klage von Centa Hirsch wurde abgewiesen, und Richter Walther hat jetzt den Parteien die schriftliche Urteilsbegründung zukommen lassen. Verfaßt ist sie in Versform. "Weil das so kurios war, so eine paradoxe Situation", sagt der Amtsrichter, der so etwas wie diese Verhandlung in seinen fünfzehn Richterjahren "noch nicht erlebt" hat. "Wie gehen diese Menschen miteinander um, miteinander und mit der deutschen Sprache!" empörte er sich. Und setzte gegen die "ordinäre Situation" ein Urteil in Hochsprache:

"Der deutschen Sprache hehrer Wert Müßt bei den REP’s mit and’rem Maße Gemessen bleiben ungeniert: Hier gilt das kräft’ge Maß der Straße!"

Von diesem kräft’gen Maß der Straße konnten der Richter und die Prozeßbeobachter sich bei der Verhandlung ein Bild machen. Wenn er sie nur Lügnerin geschimpft hätte, ließ Frau Hirschs Anwalt verlauten, dann hätte sie ihrem Parteifreund auch keine Abmahnung geschickt. Aber gleich größte Lügnerin – das sei zu weit gegangen. Obwohl: Der bayerische Landesvorsitzende Wolfgang Hüttl, von beiden Parteien als Zeuge geladen, mußte zugeben, daß es in der Partei, was den Umgang miteinander betrifft, mitunter hoch hergeht. Franz Schönhuber habe sich von seinem Kontrahenten Franz Glasauer sogar einmal einen "hundsmiserablen elenden Lügner" schimpfen lassen, ohne dagegen vorzugehen. Und es sei zeitweise durchaus noch deftiger geworden. Was Richter Walther in seiner Urteilsbegründung auch noch einmal in Erinnerung ruft:

"Was dort, meist hinter g’schlossenen Türen,

Die Freunde der Partei sich rufen