Wenn der irakische Staatschef Saddam Hussein nicht bald seine Truppen aus Kuwait abzieht, wird im Januar wohl jenes Szenario ablaufen, das Hans Leyendecker und Richard Rickelmann auf Seite 77 ihres jüngst erschienenen Buches „Exporteure des Todes“ beschrieben haben: Die von den USA bei der Bundeswehr ausgeliehenen ABC-Spürpanzer „Fuchs“ werden dann ihre Fährte aufnehmen können. Und „die vierköpfige Besatzung stellt exakt die Verseuchung eines Geländeabschnittes fest und meldet das Ergebnis per Funk an die taktische Führung. Dann werden, schön der Reihe nach, die Opfer gezählt.“

Das einzige, das der „Fuchs“ nicht aufspüren kann, ist die Herkunft der vom Irak wahlweise eingesetzten ABC-Waffen. Dennoch ist das Ursprungsland der irakischen Kampfmittel inzwischen eindeutig geortet – die Bundesrepublik. Bundesdeutsche Firmen haben kräftig mitgeholfen, Bagdad hochzurüsten.

Leyendecker und Rickelmann, selbst Spürnasen, allerdings im Journalistengewerbe (Spiegel-Büro Düsseldorf), haben zusammengefaßt und gut dokumentiert, was in den letzten Wochen und Monaten seit der Golfkrise, aber bruchstückweise auch schon vorher, über die deutschen Waffenexporte in den Irak bekanntgeworden ist. Mit ihrem Buchtitel über diesen deutschen Rüstungsskandal haben sie allerdings eher untertrieben. Nach allem, was bisher bekannt ist und was die beiden Autoren an Neuem hinzugefügt haben, hätte der Titel besser „Exporte zum Massenmord“ lauten können.

Gelegentlich wehrt sich der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gegen den Vorwurf, die deutsche Industrie betreibe die tödlichen Waffengeschäfte um jeden Preis. Man möchte dem BDI gern abnehmen und glauben, daß immer nur ein paar schwarze Schafe den Ruf der Republik ruinieren. Nur – die Firmenliste, die US-Senator Jesse Helms seinem Präsidenten Bush übergab, enthält so viele erste Adressen der deutschen Industrie, daß man von einem repräsentativen Querschnitt der deutschen Wirtschaft sprechen kann. Außerdem: Leyendecker und Rickelmann lassen in ihrer Darstellung keinen Augenblick lang Zweifel darüber aufkommen, daß diejenigen, die mit dem Irak Geschäfte gemacht haben, nicht auch genau gewußt hätten, daß es sich um tödliche handelt. Offenbar sind Dienstleistungen der deutschen Händler des Todes sogar noch bis in die jüngsten Tage erbracht worden.

Bemerkenswert sind die Auszüge aus einem geheimen Bericht von Wirtschaftsminister Helmut Haussmann über die Rüstungshilfe der Deutschen. Haussmann spricht darin davon, daß „erneut schwere Schatten über dem deutschen Außenhandel“ liegen. Er fährt dann fort: „Ich kann mich mit der strafrechtlichen Atmung, so wichtig sie wegen der Abschreckung neuer Taten ist, nicht zufriedengeben, weil der eigentlich zu verhindernde Erfolg in der Regel immer schon eingetreten ist. Die gefährliche Verbreitung ist dann erfolgt. Die internationale Reputation unseres Landes, von der wir so abhängen, hat bereits Schaden genommen.“

Daß die deutschen Hoflieferanten Husseins gewußt haben müssen, was sie mit ihren Chemieanlagen bewirken werden, ist dem bisher noch nicht veröffentlichten Gutachten des Schweizer Wissenschaftlers Professor W. Richarz (ETH-Zürich) zu entnehmen. Richarz hat alle irakischen Anlagen, die mit deutscher Hilfe angeblich nur harmlose Pflanzenschutzmittel produzieren sollten, unter die Lupe genommen. Sein Urteil straft alle bisherigen Rechtfertigungsversuche Lügen. An mehreren Stellen seines Gutachtens stellt Richarz fest, „für die diskontinuierliche Produktion von Tabun (ein Nervengas, Anm. d. Red.) ist die Anlage, von der Konzeption her gesehen, gut geeignet“ oder gar „bestens geeignet“. Das Märchen von der Pflanzenschutzmittelherstellung entlarvt Richarz gründlich: „Aus wirtschaftlichen Überlegungen hätte man die Anlagen sinnvoller konzipieren müssen, wenn man Pestizide produzieren wollte.“

Daß die Bundesregierung bei allem angerichteten Schaden, den sie nun bejammert, selbst eine unrühmliche Rolle gespielt hat, haben die Autoren akribisch herausgearbeitet. Das gilt besonders für die von Bonn geförderten Atom-Connections, die dem Irak vermutlich via Brasilien und via Pakistan zu nuklearem Waffen-Know-how verholfen haben. Die islamische Bombe des Irak wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.