Von Susanne Mayer

Das Glück habe so eine Art, einfach zu verschwinden, schreibt der Autor, ein wenig traurig, in seinem letzten, erst kürzlich erschienenen Buch, und wer wollte ihm da widersprechen, sicher niemand.

Manchmal hat das Glück aber auch so eine Art, wieder aufzutauchen. Davon kann sich jeder einfach dadurch überzeugen, daß er des Abends, halbtaub, fastblöde, endlich die Londoner City hinter sich läßt und – nachdem er einige überfüllte Züge davonfahren lassen mußte sowie nach der einen oder anderen Bombendrohung und ähnlichen abendfüllenden Verzögerungen – in jener kleinen, im Norden Londons gelegenen Bahnstation eintrifft, durchatmend über die liebe teure Hampstead High Street schlendert und dann, ein wenig beiläufig natürlich, jenen Buchladen betritt, der Waterstone heißt.

O heilige Halle der Literatur. Schöner Holzfußboden, hohe Regale, leise murmelnde Leute. Wie jeder heilige Ort, zumindest wie jeder gute Supermarkt, ist der Waterstone Bookshop in etwa rund um die Uhr geöffnet, er ist folglich nichts weniger als ein Mekka der schöngeistigen sowie der – wie man sich angesichts der günstigen Lage leicht denken kann – schön betuchten Menschen. Eben ein durch und durch angenehmer Ort. Solche oder ähnliche Gedanken mögen auch unseren Autor bewegt haben, als er in der vergangenen Woche dort eingekehrt ist.

Salman Rushdie wollte ein paar Bücher kaufen. Der freundliche Buchhändler hat ihm einige empfohlen. Nette, leichte Worte wurden gewechselt, SchönSiemalwiederzusehen, so in der Art. Dann zur Kasse, zwei Bücher bezahlt. Bevor Salman Rushdie ging, hat er noch einige Stapel seines Buches signiert, eine kleine Gefälligkeit.

"Ein Happy-End ist in Geschichten, wie auch im Leben, viel seltener, als sich die Leute das vorstellen", heißt es in Salman Rushdies neustem Buch, das den Titel "Haroun and the Sea of Stories" trägt (Verlag Granta Books, London). "Man könnte fast sagen, es ist eine Ausnahme".

Von Todeskommandos gehetzt