Neues von Mutter Millie

Krumme Beine, Schweinchennase, gelbe Augen und immer die Nase im Wind – richtig, das ist Millie, der Erste Hund der USA und beste Freund von George Bush. „Das Beste, was diese Regierung zustande gebracht hat, ist Millie“, sagen viele Besucher im Weißen Haus. Bis zur Golfkrise war Millie ganz eindeutig in den Medien die Nummer eins (ZEIT Nr. 44/90).

Millies Schwangerschaft bewegte die Nation. Selbstverständlich. Denn das gute Tier ist ein Vorbild für Millionen amerikanischer Familien. „Sie versteht instinktiv die wahren Werte des Landes.“ Und so gab es kein Halten mehr, als sich die fünf Welpen im Schlafzimmer tummelten. Nicht nur dort. In einem extra angefertigten Hundelaufställchen nahmen Millie und ihre Kinder an allen wichtigen Audienzen teil. Der imperiale Wurf wurde keinem Staatsgast und den dazugehörigen Damen („How lovely“) vorenthalten, und bis auf Maggie, die sich von ihrer Handtasche nicht trennen mochte, mußten alle, alle Millie tätscheln oder sie gar auf den Arm nehmen. Bravo, Millie.

Nun aber trauert die Nation. Millie wurde sterilisiert. Heimlich! Ist das zu glauben? Ob Barbara und George das alles doch ein bißchen viel geworden ist, die durchfiepten Nächte mit den Kleinen, das ständige Getrappel von 24 Hundepfoten in allen Räumen? Konnte vielleicht kein standesgemäßer Millie-Mann gefunden werden? Oder sollte Millie gar ein Zeichen setzen gegen die permanente Überbevölkerung und deshalb beispielhafte Zurückhaltung üben?

Die Presse schweigt. Arme Millie. Angeblich hat der Tierarzt ein Machtwort gesprochen, nachdem er beim Ersten Hund der USA eine Scheinschwangerschaft diagnostiziert hatte. Wohl eingeschleust von der moral majority ‚ der Mann.

Eine Spende, bitte

Wir spenden für die hungernden Russen, während in Amerika ein Mann mit seiner Familie sitzt, der auch Hilfe braucht: Vater Dan, seine Frau Marilyn und ihre drei Kinder. Sie mußten kürzlich mit dem Hut herumgehen und um eine Spende bitten, damit die Kinder ein Zimmer kriegen. 200. Amerikaner hatten ein Herz und gaben zwischen 10 und 20 000 Dollar, einfach so. Am Ende waren 340 000 Dollar zusammengebettelt.