Von Reinhold Rombach

Gerade zwei Wochen noch fehlen bis zur Jahreswende, aber winterliche Ruhe ist im ZEIT- Börsenspiel noch nicht zu beobachten. Die Spannung nimmt sogar noch zu, denn über Sieg und Platz steht die Entscheidung noch offen. Das Spitzenduo beobachtet sich argwöhnisch, und jeder überlegt die beste Strategie für die nächsten Tage. Ist Gelassenheit angesagt, oder wäre der Aufbau von Trading-Positionen gewinnbringender? Es geht nicht nur um Ruhm und Ehre für den Sieger 1990, sondern auch um das Recht des Gewinners, im nächsten Jahr dabeizusein.

Tim Schmiel von der Westfalenbank hat wohl die beste Ausgangsposition. In den vergangenen Monaten bewies der Düsseldorfer Bankier, wie mit kühlem Kopf und klugen Ideen eine böse Baisse einigermaßen heil zu überstehen ist. Ein Zuwachs von 5,07 Prozent mag den Börsenkundigen nicht sonderlich beeindrucken, aber fordert gleichwohl Respekt ab. Ein Gewinn dieser Art ist eben in einer Zeit, in der andere aktive Vermögensvernichtung betreiben und in der repräsentative Aktienindices weiter fallen, eine feine Leistung.

Einen guten Riecher hatte Schmiel mit der Hereinnahme vom Bremer Vulkan im Tausch gegen die niederländische Transportaktie Nedlloyd. Das ehemalige Werftunternehmen leidet völlig zu Unrecht immer noch unter seiner Vergangenheit, in der sogar der Pleitegeier über der von Strukturkrisen geschüttelten Gesellschaft schwebte. Doch heute ist die Bremer Vulkan in einer recht komfortablen Ertragssituation, und der Umbau vom industriellen Monoproduzenten zur hochspezialisierten High-Tech-Schmiede scheint gelungen.

Dieser Tage hatte Vorstandsvorsitzender Friedrich Hennemann denn auch stolz zu vermelden, daß die Bremer Vulkan endlich schwarze Zahlen schreibt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schaffte die Gesellschaft erstmals seit langer Zeit wieder einen Jahresüberschuß. Sollten Gerüchte wahr werden, daß die Bremer Vulkan mit einer Anlaufdividende von 2,50 Mark wieder eine ausschüttungsfähige und anlegerfreundliche Aktiengesellschaft wird, dann dürfte einem nachhaltigen Kursaufstieg nichts mehr im Wege stehen.

Auch die jüngste Nachricht, daß die SCS-Systemtechnik von der Vulkan übernommen wird, zeigt, daß der richtige Weg beschritten wurde. Vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts wird SCS rückwirkend vom 1. Oktober an eine Tochter der Bremer Vulkan. SCS ist ein Bremer Softwarehaus und hat im Bereich von Fertigungsleitstandsystemen einen guten Namen in der Branche.

Es ist schon erstaunlich, mit welchem Selbstbewußtsein Bernd Gehler von der Deutschen Bank die verbleibenden Tage angeht. Der Wertpapierexperte denkt sogar daran, Tim Schmiel noch die Führung zu entreißen. „Wir sind zuversichtlich, am Jahresende als Gewinner aus dem Spiel zu gehen“, gibt sich der Frankfurter Aktienprofi siegessicher.