Alles wie gehabt: „Reformer“ verdrängen „Konservative“ aus der Parteiführung; Wirtschaftsreformen und politischer Pluralismus werden versprochen; trotz Schikanen bilden sich Oppositionsparteien; Massenproteste und Unruhen in der Bevölkerung. Solche Parallelen zum osteuropäischen Umbruchsjahr 1989 geben noch keine Antwort auf die Frage, ob die demokratische Revolution in Albanien friedlich sein wird wie in der Tschechoslowakei oder gewaltsam wie in Rumänien.

Da der albanische Stalinismus besonders skurrile Züge trug, könnte die Umwälzung auch nach einem völlig neuen Muster verlaufen. Die Genossen in Tirana waren immer die allerletzten, die vom Glauben abfielen. Sie hielten Maos Bibel noch hoch, als dessen Erben bereits Joint-venture buchstabierten. Noch im August verdammte Parteichef Ramiz Alia Marktwirtschaft und Pluralismus als „Trojanisches Pferd des Imperialismus“.

Die blutigen Unruhen am vergangenen Wochenende in Elbasan, Shkoder und Durrës bekamen von der kommunistischen Zentrale den üblichen Stempel aufgedrückt: „Plünderung und Sabotage“, „illegale Ansammlungen“. Selbst der Erzbischof von Shkoder, der über zwanzig Jahre im Gefängnis saß, urteilte wie das Regime: „Solche Akte des Vandalismus sind gegen den Willen Gottes.“

Formulierungen dieser Art kennt man nach der jahrzehntelangen Diffamierung der Opposition in Osteuropa zur Genüge. Sollten die demonstrierenden Massen tatsächlich wie die Vandalen gehaust haben? Es gibt nur ein Mittel, aufkommende Zweifel auszuräumen: die Öffnung der Grenzen. Die Behörden in Tirana aber verweigerten Visa für Tagesreisen in die unruhigen Städte Albaniens. Je hartnäckiger sich die kommunistische Führung an der Macht zu halten versucht, um so wahrscheinlicher ist eine gewaltsame Lösung. Ko.