Trotz aller Kampfbereitschaft bleibt der größte Wunsch der amerikanischen Soldaten: ein Ticket nach Hause

Von Dieter Buhl

Dahran, im Dezember

Die Mütze ist viel zu groß, sie rutscht ihm immer wieder über die Ohren. Das khakifarbene Hemd und die Militärhose schlottern um den hageren Körper. Als er angesprochen wird, nimmt er stramme Haltung an. Auf seinem Gesicht liegt eifriger Ernst, nur die Augen verraten seine Hilflosigkeit und Jugend. Neunzehneinhalb Jahre alt sei er, erklärt der Junge mit Nachdruck. So exakt jedoch gibt nur jemand Auskunft, der sein wahres Alter verbergen möchte. Fahd al-Enizy dürfte noch keine achtzehn sein. Aber wenn es zum Kampf gegen Saddam Hussein kommt, will er alles geben, auch sein Leben.

Gerade noch ist Fahd mit seiner Gruppe am kommandierenden Offizier vorbeimarschiert. Obwohl er und seine Kameraden erst vor drei Tagen in dieses einzige Ausbildungslager für kuwaitische Flüchtlinge südöstlich von Dahran eingerückt sind, klappt der Marsch. Das Kommando, mit dem Rekruten überall auf der Welt die ersten geordneten Schritte beigebracht werden, klingt aus arabischen Kehlen besonders martialisch. "Eins, zwei, eins, zwei", hallt es über den Appellplatz mitten in der Wüste. Der Sand ist längst festgetrampelt von Tausenden von Füßen. In einem Monat sollen die 1200 Zivilisten – Arbeiter und Studenten, Ärzte und Beamte –, die hier ihren ersten Schliff erhalten, zu Soldaten geworden sein. Bis dahin ist Kuwaits letztes Aufgebot bereit, ein Dasein in überfüllten Zelten und bei karger Kost auf sich zu nehmen. Die Männer wollen um jeden Preis für die Rückeroberung der Heimat gerüstet sein.

Eine halbe Autostunde entfernt arbeiten die Profis des Kriegshandwerks auf Hochtouren. Voller Stolz preist US-Captain Chris Mardis die Superlative der riesigen Luftwaffenbasis im Osten Saudi-Arabiens. Bis vor kurzem noch wurde der Stützpunkt nach einem Mitglied des saudischen Königshauses benannt. Jetzt ist er aus Gründen der Geheimhaltung namenlos geworden. Die Iraker jedoch werden ohnehin wissen, wo sie dieses Drehkreuz der Operation Wüstenschild finden. All die F-15-Jäger, die gedrungenen C-141-Transportmaschinen und die AC-5-Galaxy-Giganten mit Laderaum für acht Hubschrauber oder zehn mittelschwere Lastwagen, die hier ohne Pause starten und landen, hinterlassen eine breite Spur auf den Radarschirmen.

Klotzen statt kleckern