Das Volk hat gesiegt: In der ersten Dezemberwoche war Bangladeschs Präsident Hussain Mohammed Erschad nach wochenlangen Straßenprotesten in der Hauptstadt Dakka zurückgetreten. Jetzt ist er verhaftet worden und soll sich vor einem Sondertribunal verantworten.

Schamlose Bereicherung – von den jährlich rund 1,5 Milliarden Dollar an Hilfe aus dem Ausland sollen nur dreißig Prozent das hungernde Volk erreicht haben –, Korruption, Machtmißbrauch und die Ermordung politischer Gegner lauten die Hauptanklagen gegen den langjährigen Staatschef.

Täglich enthüllen die bengalischen Zeitungen neue pikante Details aus dem opulenten und frauenbewegten Privatleben des gestürzten Generals. Fast neun Jahre lang hat er das ärmste Land der Erde autoritär regiert, gestützt auf eine loyale Armee.

Vor allem die Studenten schürten die Proteste, unter deren Druck schließlich die Militärs dem Präsidenten ihre Gefolgschaft versagten. Bis zuletzt hatte Erschad versucht, deren Treue wie gewohnt mit Pfründen und hohen Gehältern zurückzukaufen.

Schon hat die Übergangsregierung unter dem bisherigen obersten Richter Schahabuddin Ahmed begonnen, die politische Elite von Erschad-Getreuen zu säubern. Innerhalb von drei Monaten sollen freie Wahlen abgehalten werden.

Die beiden Oppositionsführerinnen Hasina Wajed und Kaleda Zia, die beide Erschads Nachfolge anstreben, sind zerstritten. Während Wajed eine Mehrparteiendemokratie anstrebt, macht sich Zia für ein Präsidialsystem stark.

Deshalb bleibt der Jubel über die Wende in Bangladesch getrübt durch eine ungewisse Zukunft. Fraglich ist vor allem, ob sich die politische Opposition zusammenraufen kann. Bislang hat sie nur ein Ziel geeint: der Sturz Erschads.

piep.