Von Edward N. Luttwak

WASHINGTON.– Der Kalte Krieg ist zu Ende, jetzt sollten wir versuchen, auch eine seiner übelsten Nebenwirkungen zu beenden: die rücksichtslose Versorgung der Länder der Dritten Welt mit modernen Waffen.

Waffenverkäufe waren einst ein wesentliches Werkzeug der sowjetischen Strategie, weltweiten Einfluß zu erlangen, und manchmal auch ein lukratives Geschäft. Heute jedoch passen sie nicht mehr zu Moskaus völlig veränderten Zielen. Außerdem kann Moskau kein Geld mehr damit verdienen – fast alle Waffenkäufer, die mit harter Westwährung bezahlen, bevorzugen Produkte aus dem Westen.

Für die Vereinigten Staaten war der Verkauf oder die kostenlose Ausrüstung mit Waffen nur eine strategische Notwendigkeit, solange befreundete Länder Nachbarn hatten, die von den Sowjets mit Waffen beliefert wurden. Irgendwelche wirtschaftlichen Vorteile waren von Anfang an eine Illusion.

Die Fließbänder in amerikanischen Waffenfabriken für Verkäufe in die Dritte Welt am Laufen zu halten verzögert nur das Freiwerden von Kapital und Facharbeitern für zivile Industrieunternehmen. Sie müssen zur Zeit sehr kämpfen, um mit der internationalen Konkurrenz Schritt halten zu können. Was einst als Hirngespinst galt, ist heute durchaus vorstellbar: ein sowjetisch-amerikanisches Abkommen über die Beendigung von Waffenverkäufen in die Dritte Welt. Es ist ferner dringend notwendig, einen überstürzten Verkauf der riesigen Waffenarsenale von Nato und Warschauer Pakt zu. verhindern, die ja jetzt überflüssig geworden sind.

Da Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und ein Dutzend weiterer Länder ebenfalls Waffen exportieren, müßte solch ein Abkommen auf jeden Fall multilateral abgeschlossen werden. Aber das hätte wahrscheinlich endlose und unfruchtbare Debatten zur Folge, während ein Abkommen zwischen Washington und Moskau sehr schnell zustande kommen könnte (wobei es weiteren Ländern freistehen würde, später ebenfalls zu unterzeichnen).

Schon allein dadurch würden sofort viele Waffenlieferungen in die Dritte Welt gestoppt. Ein amerikanisch-sowjetischer Verkaufsstopp würde unweigerlich einen neuen internationalen Standard setzen und Waffenverkäufe in die Dritte Welt ebenso brandmarken wie vor langer Zeit die Weitergabe von Atomwaffen. In den meisten westlichen Demokratien – außer Frankreich – sind Waffenverkäufe heute ohnehin bereits äußerst umstritten.