Vereinigte Staaten

Von Christian Tenbrock

Zehn Jahre spielten sie das Spiel gemeinsam, Geld schien bedeutungslos. New Yorks Banken waren zur Stelle, wenn Amerikas bekanntester Immobilien-Mogul Donald Trump um immer neue Kredite für immer hochfliegendere Projekte bat. Der Name reichte, um die Kassen zu öffnen; nach Sicherheiten wurde selten gefragt. War Trump nicht die strahlendste Verkörperung der amerikanischen Saga vom schnellen Dollar und unbestrittene Nummer eins im Deal um protzige Wolkenkratzer, Kasinos und Hotels?

Er war es nicht. Donald steht am Rand der Pleite, sein mit zwei Milliarden Dollar verschuldetes Imperium bröckelt. Jene Banken, die Trumps Monopoly finanzierten, können sich jetzt ihre Wunden lecken. Erst warfen sie dem Multimillionär das Geld hinterher, nun werden sie das meiste davon wohl nicht wiedersehen.

Trump ist kein Einzelfall. Wie in einem Rausch haben Amerikas Banken während der achtziger Jahre Geld verliehen. Sie zahlten für dubiose Immobiliengeschäfte und steckten Milliarden in schuldenfinanzierte Unternehmenskäufe. Nun steigt die Zahl fauler Kredite, die Gewinne der amerikanischen Banken gingen im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel zurück, im ersten Halbjahr 1990 noch einmal um 21 Prozent. „Die Branche steht mit einem Fuß auf einer Bananenschale, mit dem anderen im Grab“, zitierte das Wirtschaftsblatt Fortune einen Bankenchef. Einige tausend Institute könnten in den neunziger Jahren auf der Strecke bleiben, andere werden in Fusionen aufgehen – unter ihnen vielleicht auch solch bekannte Namen wie Chase Manhattan, Chemical und Manufacturers Hanover.

Negative Schlagzeilen

Als erste unter den Großen schockte im September Chase Manhattan die Öffentlichkeit mit schlechten Nachrichten: Weil die Kreditrisiken immer größer wurden, mußte die Bank des Rockefeller-Clans Rückstellungen von 650 Millionen Dollar verbuchen. Fünftausend Angestellte – zwölf Prozent der Belegschaft – werden entlassen, die Aktionäre erfuhren, daß ihr Anteil am schrumpfenden Bilanzgewinn um die Hälfte gekürzt wird. Dann sorgte die Citicorp, Holdinggesellschaft der Citibank, für negative Schlagzeilen. Ende September waren nur 39 Prozent aller notleidenden Kredite der größten Bank der Vereinigten Staaten durch Reserven gedeckt.