Der Eroberer Englands, der Bastard Wilhelm, wurde wahrscheinlich 1028 geboren, aus einer unehelichen Verbindung zwischen Herzog Robert und Arlette, Tochter eines Färbers und Leichenbalsamierers in Falaise.

Die Geschichte ist später von seinen Bänkelsängern und Hofschreibern reich beschrieben worden, das Wichtigste aber, besonders seine Jugend, verbleibt im Glanz der Legenden und Schmeicheleien. Die Vorfahren des Bastards waren Männer, die in ständiger Spannung zwischen roher Gewalt und christlicher Frömmigkeit lebten. Sein Vater Robert, der sechste Herzog der Normandie, war ein direkter Nachkomme des Wikingers Rollo. Seine siebenjährige Herrschaft läßt sich in drei Worte fassen: Blut, Verrat, Heuchelei. Wahrscheinlich ließ er seinen älteren Bruder vergiften, um selber den Herzogstitel zu bekommen.

Die Mutter des Bastards, Arlette, „die Unvergleichliche“, wie die Hofpoeten sie später nennen, war ein sechzehnjähriges Dorfmädchen, dessen zarte Fesseln und lilienweiße Brüste den um ein Jahr älteren Herzog Robert mit solch brennender Liebessehnsucht erfüllten, daß er sie unter Zwang in sein Bett brachte.

Über ihre erste Liebesnacht schweigen die Quellen. Dennoch wird erzählt, daß Arlette mit einem mädchenhaften Schrei aufwachte und von einem Traum erzählte, in dem ihr war, als wüchse ein Riesenbaum aus ihrem Schoß. Seine Krone bedeckte die ganze Normandie, das Meer und das englische Eiland.

Diese Legende ist erst nach der Eroberung Englands niedergeschrieben worden. Glaubte Robert vielleicht selber daran, daß er in seiner ersten Liebesnacht ein ungewöhnliches Kind gezeugt hatte? Jedenfalls behielt er Arlette lange bei sich und hatte noch ein Kind mit ihr. Erst als er von einer unbezwingbaren Gottesfurcht ergriffen wurde und auf die verhängnisvolle Pilgerfahrt nach Jerusalem ging, verheiratete er sie mit Herluin de Conteville, einem kleineren Baron aus der Gegend um Caen. Zur selben Zeit ließ er seinen siebenjährigen unehelichen Sohn als Erben des Herzogstitels ausrufen, gegen den heftigen Widerstand seiner Onkel.

Es war im Jahr 1034, tausend Jahre nach der Kreuzigung Christi; ein heiliger Bußeifer durchlief ganz Europa. Während seiner siebenjährigen Herrschaft hatte Robert ständig Krieg geführt. Erst gegen seine Onkel, danach gegen seinen Vetter, den bretonischen Herzog. Es heißt, die Verluste der Bretonen seien so groß gewesen, daß ihre Leichen den Grenzfluß Cueson stauten. Als endlich Friede in der Normandie herrschte, trieb ihn die Langeweile in die Arme der Kirche.

Er brauchte Luftveränderung. Ein junger Mann, knapp 25 Jahre alt, träumte er von neuen Abenteuern. Die Pilgerfahrt war ein Kriegszug, aber diesmal für Gott, als fromme Handlung getarnt.