Der Steuerkritiker Mogens Glistrup verliert seinen Sitz im Parlament

Von Wolfgang Zank

Der dänische Steuerrebell Mogens Glistrup gab sich unverdrossen: "Ich habe meinen Parlamentssitz schon einmal aufgrund übler Tricks verloren, und ich bin doch wieder hineingekommen. So wird es auch diesmal sein", erklärte er am Abend der Parlamentswahl in Kopenhagen.

Doch das war wohl nur Zweckoptimismus. Denn das Wahlergebnis bedeutet das endgültige politische Aus für den streitbaren Juristen. Zwar bekam die von ihm 1972 gegründete "Fortschrittspartei" noch rund sechs Prozent der Stimmen (zwei Punkte weniger als 1988), aber von der hatte sich Glistrup im Oktober nach langen Querelen getrennt. Diesmal kandidierte er für die Liste "Gemeinsamer Kurs", an deren Spitze der Chef der Seeleutegewerkschaft, Preben Moller Hansen, steht. Die freilich scheiterte wie vor zwei Jahren mit 1,8 Prozent an der Zweiprozenthürde, der erhoffte Glistrup-Bonus blieb aus. Dies zeigt den tiefen Fall des schillernden Polit-Agitators.

Glistrups Blitzkarriere hatte am 30. Januar 1971 begonnen. An diesem Tage wurde der Rechtsanwalt und ehemalige Dozent für Steuerrecht an der Universität Kopenhagen auf einen Schlag im ganzen Land bekannt. Im Fernsehen erläuterte er, wie er massenweise Aktiengesellschaften gründete, um ganz legal Steuern zu sparen. Steuerhinterziehung lobte er als patriotische Tat – vergleichbar mit der Eisenbahnsabotage während der deutschen Besatzung. Vierzehn Tage später konnte er dem erstaunten Fernsehpublikum vorrechnen, daß er – angeblich ebenfalls völlig legal – keinen Pfennig Einkommensteuer zahlte, und das als Millionär und Eigentümer einer großen Anwaltspraxis mit Dutzenden von Angestellten.

Ein Jahr später bekam Glistrup eine Anklage wegen Steuerhinterziehung an den Hals, aber das steigerte nur seine Popularität. Am 22. August 1972 gründete er seine Fortschrittspartei, deren politische Botschaft ebenso simpel wie eingängig war: Steuern senken, und zwar sofort. Ebenso eingängig waren die Finanzierungsvorschläge. So forderte er, die dänischen Streitkräfte abzuschaffen, die seien ohnehin nichts wert; statt dessen schlug er vor, an den Grenzen Lautsprecher aufzustellen, die im Kriegsfall auf russisch "Wir ergeben uns" durchgeben sollten.

Bei den Parlamentswahlen im Dezember 1973 errang Glistrup aus dem Stand sechzehn Prozent der Stimmen. Sein Erfolg erregte internationales Aufsehen. Viele Beobachter interpretierten den Aufstieg als allgemeingültiges Symptom für die Grenzen des Sozialstaates. Steigt der Steuerdruck zu sehr (und in Dänemark war er höher als beispielsweise in der Bundesrepublik), dann sei eben massiver Protest die Folge.