Plattfüße sind gesund, behaupten führende Orthopäden und verweisen die These, ein ausgeprägter Senkfuß rufe bei großen Belastungen zwangsläufig Ermüdung und Schmerzen hervor, in den Bereich ärztlicher Mythen. Selbst ein seriöses Medizinlexikon notiert unter dem Stichwort Plattfuß, pes planus: "Bewirkt durch Überbeanspruchung der Bänder u. Muskeln des ges. Beines veränderte Statik u. Verlust der Tragfähigkeit des Fußgewölbes u. damit auch der Elastizität des Ganges" und empfiehlt als Therapie Fußgymnastik, Einlagen oder eine Operation. Bei zahllosen jungen Männern galt der Plattfuß als Kontraindikation für den Wehrdienst – nicht immer zu ihrem Schaden. Eine Studie der US-Armee an Infanteristen kam jedoch zu dem Schluß, daß Plattfüßler im Training zweimal weniger Verstauchungen oder Belastungsbrüche davontrugen als ihre gewölbtfüßigen Kameraden.

Offenbar gibt es auch keine verbindlichen Kriterien: Als die Army sechs Doktoren 300 Rekruten beurteilen ließ, schwankte der Anteil der pes planus-Diagnosen je nach Medicus zwischen 10 und 52 Prozent. Von schweren pathologischen Deformationen abgesehen, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise für das Problem namens Plattfuß. Belegbar hingegen ist, daß viele Athleten, insbesondere Basketballspieler, Spitzenleistungen erbringen mit Extremitäten, die so flach sind wie Pfannkuchen. Die New York Times zitierte Michael Coughlin, Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Fußorthopädie: "Wenn ich als Berufsathlet die Wahl hätte zwischen einem hohen Fußgewölbe und einem flachen Fuß, dann würde ich den flachen nehmen." Es fragt sich nur, ob mit den medizinischen auch die ästhetischen Vorurteile schwinden und wann Avantgardisten von der geradlinigen Eleganz plattfüßiger Balletteusen schwärmen...

Einen Riesensturm auf Saturn haben Amateurastronomen entdeckt. Ende September war ihnen am Ringplaneten ein weißer Fleck aufgefallen. Dahinter steckte ein gigantisches Sturmsystem von der dreifachen Größe der Erde, das mit Geschwindigkeiten von 1600 Kilometern pro Stunde durch die eiskalte, aus Wasserstoff, Helium, Methan und Ammoniak bestehende Saturnhülle toste. Alarmiert von Berichten aus aller Welt, richteten Profis auch das Weltraumteleskop Hubble auf den Planeten und waren verblüfft von der Größe und Gewalt des Orkans, der sich inzwischen zu einem breiten weißen Band und damit zum wohl größten Atmosphärenphänomen im Sonnensystem ausgedehnt hat. Bisher gibt es keine schlüssigen Erklärungen für die Ursache des Hurrikans. "Saturn hat gerülpst", meinte schmunzelnd ein führender Planetenforscher auf einer Pressekonferenz der Nasa. Eilig hatte die Weltraumbehörde den straffen Beobachtungsplan ihres teuren, durch einen technischen Fehler optisch geschwächten Hubble-Teleskops geändert und mehrere hundert hochwertige Photos von Saturn geschossen. Diese Aufnahmen müssen wegen des Fehlers noch entzerrt werden und sollen im Januar vorliegen. Man erhofft sich von der Bildsequenz detaillierte Informationen über die zeitliche Entwicklung der meteorologischen Saturnalie. Offenbar tritt das Phänomen periodisch auf, ähnliche Erscheinungen wurden zuletzt 1876, 1903, 1933 und 1960 beobachtet. Möglicherweise hängt dieser Zyklus mit dem Umlauf Saturns um die Sonne zusammen, der knapp dreißig Jahre dauert. Auf dem Jupiter tobt ebenfalls ein Riesenorkan, allerdings stets an der gleichen Stelle. Er ist seit Jahrhunderten den Himmelskundlern als der Große Rote Fleck bekannt.

Die "Grüne Revolution" erfaßt zunehmend auch die Kosmetikindustrie. Immer mehr Menschen, denen die eigene Natur behandlungsbedürftig erscheint, möchten sich mit Produkten der Natur herausputzen und pflegen. Wie aus der Zeitschrift Chemical & Engineering News hervorgeht, erzielen jene Firmen beträchtliche Marktgewinne, die auf der Ökowelle reiten. So will ein britischer Konzern bald mit Produkten aus dem Regenwald reüssieren. Manche Hersteller mixen unter ihre Kosmetikartikel geringe Mengen Pflanzenextrakte, um dies dann auf der Verpackung anzupreisen. Dem Verbraucher nützt dies nichts, denn Kamille zum Beispiel wirkt nur in größeren Mengen. Ferner sind natürliche Produkte nicht unbedingt besser und sicherer als synthetische. So sei das aus Schafswolle gewonnene und vielverwendete Lanolin als gelegentlich hautreizend ins Gerede gekommen, weil es Verunreinigungen enthielt. Große Firmen gründen zudem "grüne" Ableger, die sich als dem "Schutz der Erde, Tiere und Umwelt" verpflichtet darstellen und betonen, sie verwendeten keine an Tieren getesteten Substanzen. Oft enthielten die Produkte dann altbekannte Ingredienzien, deren Sicherheit längst in Tierversuchen abgeklärt wurde.

Als "Mörder" beschimpft wurden amerikanische Aids-Forscher, weil sie eine neue Therapie erst nach fünf Monaten der Ärzteschaft mitgeteilt und dadurch den Tod vieler Patienten indirekt verschuldet hätten. Nach Presseberichten hatte eine siebzehnköpfige Expertenkommission Mitte Mai mehrere Studien bewertet und festgestellt, daß der Einsatz von Kortikosteroiden (Kortikoiden) zur Behandlung von Lungenentzündungen, die durch Erreger des Typs Pneumocystis carinii hervorgerufen werden, lebensrettend sein kann. Diese Infektion ist eine der häufigsten Todesursachen bei Aids-Kranken. In einer der Studien hatte sich die Zahl der Opfer dank der Kortikoidgabe halbiert. Doch erst am 10. Oktober wurden Ärzte in einem Rundbrief auf diese Therapie hingewiesen. Aids-Aktivisten behaupteten, aus bürokratischen Gründen und weil einige der Forscher ihre Ergebnisse zuerst in einer renommierten Fachzeitschrift veröffentlicht sehen wollten, sei die Bekanntgabe verschleppt worden. Dieser Vorwurf wurde nun empört zurückgewiesen (Science, Bd. 250, S. 1196). Bereits lange vor dem 10. Oktober habe es Veröffentlichungen gegeben. Hauptgrund für die Verzögerung sei aber die Sorge gewesen, daß der übereilte und falsche Einsatz von Kortikoiden mehr Schaden als Nutzen stiften könnte. Das Heikle ist nämlich, daß Kortikoide normalerweise das Immunsystem schwächen; bei Aids-Kranken ist deshalb höchste Vorsicht geboten. Hinzu kommt, daß Steroide schon wiederholt als Heilmittel gefeiert wurden, sich bei sorgfältiger Prüfung aber als Flop erwiesen haben. Der erbitterte Streit verdeutlicht, welche Gratwanderung die experimentelle medikamentöse Behandlung Schwerkranker darstellt. Hans Schuh