DIE ZEIT

Nach der Freude nun die Sorgen

Alles, was in den vergangenen zwölf Monaten geschehen ist, hat sich in einem atemberaubenden Tempo vollzogen. Am Anfang dieses Jahres gab es noch die DDR.

Bonner Logik

Für Politiker und Parteien gilt: Wer A sagt, muß nur dann auch B sagen, wenn ihm das Verfassungsgericht im Nacken sitzt. Die Karlsruher Richter hatten den Bundestag im Oktober zur Korrektur des Wahlgesetzes verdonnert.

Mit halbem Herzen

Es ist ironisch, ja tragisch: Der Westen rafft sich zur Hilfe für die Sowjetunion mit solcher Verspätung auf, daß sie fast mit Sicherheit zu spät kommt.

Arglistig getäuscht

Die alt-neue Regierungskoalition in Bonn untergräbt das Vertrauen in den Staat, noch ehe sie formell schon wieder im Amt ist.

Zeitspiegel

Nicht nur der Hungerwinter und der drohende Zerfall des Vielvölkerstaates beschäftigen die Menschen in der UdSSR: Sie fühlten sich in ihrem Moralempfinden gestört, schrieben Zehntausende von Sowjetbürgern an das Moskauer Kulturministerium.

Worte der Woche

„Wir haben die Strecke zurückgelegt von einem Staat, der zum kommunistischen Block gehörte und in vielen Bereichen von einer fremden Macht abhängig war, zu einem unabhängigen Staat, der souverän über sein Schicksal entscheidet.

Im Schleier am Steuer

Wenn die Bedrohung am Golf nicht alles überschattete, hätte die Affäre wahrscheinlich Mord und Totschlag ausgelöst. Dennoch gehen die Wellen im frommen Saudi-Arabien noch immer hoch, seit Anfang November 47 Frauen, ordnungsgemäß verschleiert, im Auto-Konvoi durch Riad fuhren.

Wolfgang Ebert: Ich war Flaxi!

Bevor es andere – der Spiegel bereitet schon eine Story vor – an die große Glocke hängen, hier mein Geständnis: Auch ich war ein Stasi-Agent! Mein Deckname war „Flaxi“.

EG-Gipfel in Rom: Vorwärts mit vielen Vorbehalten

Als "Meilenstein" übersetzten – noch monumentaler – die Italiener Helmut Kohls Wort von der "historischen Wegmarke", die vom Gifel der zwölf europäischen Staats- und Regierungschefs am vorigen Wochenende gesetzt worden sei.

Deutsche Nachbardörfer: Brücke zwischen Welten

Mindestens eine Gewohnheit haben die Männer in Lauchröden aus ihrem ehemaligen Sperrzonendasein beibehalten: Wenn ein Gast das Wirtshaus „Zur Krone“ betritt, macht er zuerst die Runde im Lokal und klopft zur Begrüßung mit der Faust sachte auf alle schon besetzten Holztische.

Berlin ohne Mauer

Die Heinrich-Heine-Straße war einmal einer der wichtigsten Grenzübergänge für Westberliner, die nach Ostberlin wollten. Heute ist dort von den Grenzanlagen nichts mehr zu sehen.

Bonner Bühne: Auf ein neues . . .

Der alte Bundestag ist tot, es lebe der neue! Während die Koalitionsverhandlungen noch in einem Labyrinth aus Arbeitsgruppen, taktischen Winkelzügen und Personaltableaus stecken, setzt die Konstituierung des frischgebackenen Parlaments in dieser Woche in Berlin das erste sichtbare Zeichen für den Wiederbeginn.

Aufstand im Armenhaus

Das Volk hat gesiegt: In der ersten Dezemberwoche war Bangladeschs Präsident Hussain Mohammed Erschad nach wochenlangen Straßenprotesten in der Hauptstadt Dakka zurückgetreten.

Wandel in Würde

Gerade läßt das Pilsener Bier eine wohlige Wärme aufsteigen, als vertraute Bilder über den Fernsehschirm flimmern; Bilder vom Jahr davor: klirrender Frost, Demonstranten auf dem Wenzelsplatz mit Kerzen in der Hand und den Nationalfarben am Revers.

Die Erde ist voll

Heute leben auf der Welt 5 300 000 000 Menschen. In fünfzig Jahren wohl doppelt so viele. Ökokollaps und Armutskriege drohen. Ein zweiteiliger Bericht über Bevölkerungswachstum und Geburtenkontrolle.

Umstrittene Symbolik: Mit Maria im kämpferischen Bunde

Das ist Passauer Brauch. Zum Beginn des Wintersemesters speist die Stadt ihre neuen Studenten in der Nibelungenhalle mit Leberkäs und 5000 Litern Bier, und vier Wochen später nährt Mutter Kirche die Professoren im Seminar St.

„Müller-Gala“ für Kegelbrüder: Las Vegas im Sauerland

Mit Ihnen rund um die Uhr auf fröhlichen Beinen sind 1500 Clubfreunde“, droht der Reisekatalog. Doch ich lasse mich nicht schrecken und mache mich am Adventswochenende auf ins tief verschneite Sauerland, um mit den „Gassenhopsern“, den „Damenkillern“, den „tollen Hechten“ und den „lustigen Kugeln“ – kurzum: mit Menschen, die mancher „Vereinsmeier“ schimpft – eine „Nacht in Las Vegas“ zu verbringen.

„Der Russe schließt nicht ab“

Kleiner Grenzverkehr im dritten Monat der deutschen Einheit: Montag morgen, kurz nach halb neun, donnert der IC 698 Johann Sebastian Bach an Stacheldraht, Sichtblenden und Wachttürmen vorbei durch den verlassenen ehemaligen DDR-Grenzbahnhof Gerstungen.

Bremser am Werk

Jacques Delors hatte der Regierungskonferenz zur Wirtschafts- und Währungsunion in Rom eine Warnung mit auf den Weg gegeben: Wer das Ziel einer einheitlichen europäischen Währung versperre, riskiere eine schwere politische Krise.

Stahlindustrie: Verzug

Streik lag in der Luft, doch in der siebten Verhandlungsrunde einigten sich die Tarifpartner der Stahlindustrie auf einen Abschluß, der allen Warnungen vor überzogenen Lohnerhöhungen zu spotten scheint.

Bonner Kulisse

Ausgerechnet der PDS-Vorsitzende Gregor Gysi, dessen Partei Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wie einer Untersuchung durch die „Unabhängige Kommission zur Überprüfung der Vermögenswerte der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ ist, verlangte die Abberufung des Kommissionsmitgliedes Reinhard Krämer von den Grünen/Bündnis 90.

Jürgen Möllemann: Vertrauen

Vielleicht verhält es sich mit dem Liberalen Jürgen Möllemann ähnlich wie mit dem Christdemokraten Helmut Kohl: Beide werden immer wieder unterschätzt und pflegen sich am Ende doch durchzusetzen.

Steuerpolitik: Entlastung im Eilschritt

Immer wenn Finanzminister Theo Waigel in jüngster Zeit auf die Reform der Unternehmensbesteuerung angesprochen wurde, winkte er ab: Erst müsse die vor knapp einem Jahr bestellte zehnköpfige Expertenkommission ihre Vorschläge präsentieren, bevor er über Details rede.

Einzelhandel: Bombastische Weihnachten

Wenn westdeutsche Einzelhändler gegenwärtig ihre Geschäfte beschreiben sollen, dann fallen ihnen nur noch Superlative ein: Attribute wie "bombastisch" und "gewaltig" erscheinen ihnen gerade angemessen, um die diesjährigen Weihnachtsumsätze zu qualifizieren.

Dänemark: Ende der Rebellion

Der dänische Steuerrebell Mogens Glistrup gab sich unverdrossen: "Ich habe meinen Parlamentssitz schon einmal aufgrund übler Tricks verloren, und ich bin doch wieder hineingekommen.

Rudolf Engen: Hoch auf das Chaos

Immer wenn neue Schlüsselbegriffe für Wirtschaft und Gesellschaft in Mode kommen, ist die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) dabei.

Spanien: Nicht mehr in Mode

Ausgerechnet am Ende eines von schäumender Konsumfreude geprägten Jahres macht sich in Spanien tiefer Pessimismus breit. Den allgemeinen Stimmungsumschwung brachte kürzlich die Banco de Bilbao-Vizcaya auf den Punkt: "Die Rezession ist da", warnte das große Kreditinstitut in seinem jüngsten Jahresbericht.

Das Spiel ist aus

Zehn Jahre spielten sie das Spiel gemeinsam, Geld schien bedeutungslos. New Yorks Banken waren zur Stelle, wenn Amerikas bekanntester Immobilien-Mogul Donald Trump um immer neue Kredite für immer hochfliegendere Projekte bat.

Raffgier mit Methode

Banken und Sparkassen waren es, die die Arbeitnehmer vor gut drei Jahrzehnten von der altgedienten Lohntüte entwöhnten. Das private Girokonto wurde als die einzig sinnvolle Alternative gepriesen.

Störfaktor Golfkrise

Die Aussichten auf eine Jahresschlußrallye am deutschen Aktienmarkt haben sich seit Beginn dieser Woche drastisch verschlechtert.

Manager und Märkte

Die Tage der nuklearen Monokultur bei der Stromversorgung in Frankreich scheinen gezählt. Nachdem der Strom-Monopolist Electricite de France (EDF) fast zwanzig Jahre lang ausschließlich auf Atomkraft gesetzt hat, will er nun auch andere Energiequellen wieder stärker anzapfen.

Schwungvolle Talfahrt

Optimismus hat unter Konjunkturauguren vorerst ausgedient. Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen reihte sich nun in die Phalanx der Schwarzseher ein.

Der Bastard

Der Eroberer Englands, der Bastard Wilhelm, wurde wahrscheinlich 1028 geboren, aus einer unehelichen Verbindung zwischen Herzog Robert und Arlette, Tochter eines Färbers und Leichenbalsamierers in Falaise.

+ Weitere Artikel anzeigen