Von Christoph Bertram

Washington, im Dezember

In wenigen Sätzen faßt ein Präsidenten-Berater das Dilemma der Regierung Bush im Golfkonflikt zusammen: „Saddam Hussein scheint noch immer nicht völlig davon überzeugt zu sein, daß wir es ernst meinen. Um ihn zu überzeugen, müssen wir unsere Entschlossenheit immer wieder unter Beweis stellen. Aber das macht unsere eigene Öffentlichkeit um so besorgter – und veranlaßt Saddam Hussein, uns weniger ernst zu nehmen.“ Mit einem Wort: Das Problem, wie George Bush es sieht, ist mangelnde Kommunikation – nach außen wie nach innen.

Dabei lassen Gespräche im Washington dieser Tage keinen Zweifel an der Entschlossenheit des Präsidenten, den Irak zur Aufgabe des geraubten, ausgeplünderten Kuwait zu bringen – notfalls mit Gewalt. Auf die Reporter-Frage, ob er nach der Freilassung der Geiseln Saddam Hussein entgegenkommen werde, hat Bush vor laufender Kamera unmißverständlich geknurrt: „Verdammt noch mal, nein, nicht einen Deut.“ Kidnapper würden nicht belohnt.

Auch Bushs Berater stellen prinzipienfestes Selbstvertrauen zur Schau: Faule Kompromisse würden nicht gemacht. Das Ergebnis eines Krieges wäre zwar schlimm, viel schlimmer aber wäre, wenn Amerika in den Ruf geriete, einem Krieg um jeden Preis auszuweichen. Die Botschaft ist klar: Wenn der Irak bis Mitternacht am 15. Januar 1991, der im Ultimatum des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gesetzten Frist, nicht einlenkt, dann kommt es zum Krieg in der Wüste – und vielleicht darüber hinaus.

Aber bisher scheint die Botschaft bei Saddam Hussein noch nicht angekommen zu sein. Das ist nicht überraschend: Zur Zeit ist auch die Mehrheit der Washingtoner Orakel überzeugt, es werde irgendwie noch einen Kompromiß geben. Wenn Bush schon bei den Eingeweihten in seiner eigenen Hauptstadt Zweifel aufkommen läßt, ob er nicht vielleicht nur blufft, um wieviel mehr muß Saddam Hussein dies vermuten – zumal der aufkeimende Optimismus nicht auf irgendwelchen Kompromiß-Andeutungen aus Bagdad fußt, sondern auf der noch immer möglichen Reise des amerikanischen Außenministers nach Bagdad. Und Baker gilt als deal maker, als einer, der selbst mit dem Teufel noch Kompromisse aushandeln kann.

Daß Bakers Bagdad-Reise wegen der Termin-Trickserei des Irak nun wieder ungewiß erscheint – Saddam Hussein will den Außenminister erst am 12. Januar, drei Tage vor Ablauf des Ultimatums, empfangen; Bush besteht auf einem Termin vor dem 3. Januar –, kommt deshalb dem Weißen Haus nicht einmal ungelegen. Auch in der Umgebung Bushs war das Gesprächsangebot des Präsidenten vom 30. November mit Unbehagen vermerkt worden. „Saddam Hussein glaubt jetzt doch, Amerika scheue vor einem Konflikt zurück“, heißt es. „Er verachtet uns, hält uns für schwach und unentschlossen. Unsere Gesprächsbereitschaft hat ihn in dieser Auffassung nur bestärkt.“