Der Innenminister stellt sich auf ein Leben im Rollstuhl ein, will aber in der Politik bleiben

Von Peter Siebenmorgen

Karlsbad-Langensteinbach, im Dezember

Nun schreiben Sie mal nicht zu positiv“, bittet Wolfgang Schäuble augenzwinkernd gegen Ende des Gesprächs. Das wird kaum seine größte Sorge sein. Dennoch weist er den Einwand, seine Stärken ließen sich nicht ganz verschweigen, zurück. „Welche sind mir denn geblieben?“ fragt er beiläufig und doch bitter zum Abschied.

Nur dieses eine Mal durchzieht ein Hauch von Traurigkeit das entlegene Zimmer im achten Stock der Rehabilitationsklinik Langensteinbach. Hier muß sich der Innenminister – von sieben Sicherheitsbeamten rund um die Uhr bewacht – aufhalten, wenn er nicht schon wieder auf dem Bonner Parkett seine Runden zieht.

Wann und wie weit die Anstrengungen der Rehabilitation fruchten, läßt sich nicht vorhersagen. Jedenfalls rechnet Schäuble damit, sich bis in den April des kommenden Jahres vorwiegend in der Klinik aufhalten zu müssen. Neben dem Krankenzimmer ist im abgeschirmten und durch eine Stahltür gesicherten Seitentrakt der Klinik eine Art mobiles Ministerbüro eingerichtet worden. Wenn er nicht in Bonn agiert, kann er dieser Umgebung allenfalls für ein gelegentliches kurzes Wochenende nach Hause entfliehen, zum ersten Mal in der Weihnachtszeit.

Schäubles Tagesrhythmus in Langensteinbach wird bestimmt von therapeutischen Maßnahmen und politischer Arbeit. Nach dem Wecken, Waschen und Frühstück – alles dauert wegen der Querschnittslähmung sehr viel länger als gewohnt – telephoniert er „ein wenig im Land herum“, um zu erfahren, wie die politischen Geschäfte gehen. Dann aber wird das Rehabilitationsprogramm nur noch gelegentlich von Besuchen und politischen Vorgängen unterbrochen.