Wie die Westdeutschen Urlaub machen, wird seit Jahren statistisch aufgeschlüsselt. Nun liegen zwei Untersuchungen über das Reiseverhalten in der ehemaligen DDR vor.

Die Interessengemeinschaft Tourismus-Soziologie e.V. in Leipzig, die es seit Januar dieses Jahres gibt, und das neugegründete Leif-Institut – Leif steht für Leipziger Institut für Empirische Feldforschung – stellten auf der Messe für Tourismus und Camping in Leipzig ihre „Studie Reise ’90“ vor.

Für die Untersuchung, durchgeführt im Oktober und November, wurden 1030 Menschen im Alter zwischen 18 und 80 Jahren in den fünf neuen Ländern befragt. Dabei ging es nur um Reisen, die mehr als vier Tage dauerten.

Im September hatte unabhängig davon auch das Sozialforschungsinstitut Basisresearch in Frankfurt zusammen mit Dimo, seiner Repräsentanz in Dresden, 1005 DDR-Bürger im Alter von über 14 Jahren nach ihren Reisegewohnheiten gefragt. Fast 63 Prozent der mehr als 13 Millionen Einwohner über 14 waren demnach zu einer oder mehreren Urlaubsreisen mit einer Dauer von fünf Tagen oder mehr aufgebrochen (oder wollten es noch tun). Zum Vergleich: Nach der Reiseanalyse, die ebenfalls von Basisresearch durchgeführt wird, lag die Reiseintensität der Westdeutschen 1989 nur geringfügig höher – bei knapp 67 Prozent.

Nach den Untersuchungen, sowohl aus Frankfurt wie aus Leipzig, strebten die Ostdeutschen nicht wie erwartet scharenweise über die Grenzen. 36 Prozent, so die Leipziger Untersuchung, erholten sich zu Hause oder auf ihrer Datsche. Ein paar mehr, nämlich 37 Prozent, machten Urlaub im Gebiet der ehemaligen DDR.

14 Prozent aller Befragten zog es nach Westdeutschland. Die Sehnsucht, einmal Naturereignisse wie Ebbe und Flut zu sehen oder hohe Berge, war besonders groß. Ganz in den Norden und in den Süden der Bundesrepublik reisten die meisten.

Nur 13 Prozent der Ostdeutschen fuhren ins Ausland, allein die Hälfte von ihnen in die ehemaligen Ostblockstaaten, Favoriten waren dabei die Tschechoslowakei und Ungarn. Aber auch Österreich war ein beliebtes Reiseziel. 35 Prozent aller befragten Personen machten in diesem Jahr sogar zwei Urlaubsreisen.