Von Murray Weidenbaum

WASHINGTON. – Trotz der Krise am Persischen Golf sind die wichtigsten Rüstungsfirmen in den Vereinigten Staaten in einem Wendepunkt angelangt. Sollen sie ihre Hauptkapazitäten auf die zivile Produktion umstellen, was viele von ihren für unumgänglich halten? Oder sollen sie ihre derzeitigen Spitzenproduktionen gleichsam stromlinienförmig verringern?

Die Konversion (in die zivile Produktion) ist die politisch attraktive Alternative; dadurch könnten Tausende von Arbeitsplätzen erhalten bleiben, die sonst abgebaut werden müßten. Aber auch die andere Möglichkeit, nämlich die Verkleinerung der Rüstungsproduktion, verdient eine ernsthafte Betrachtung, Denn Abbaumaßnahmen innerhalb der Firmen würden sowohl die finanzielle Prosperität des gesamten Gewerbes als auch das Waffenproduktionspotential der Nation erhalten.

Während der ganzen Zeit ihres Bestehens haben die riesigen Waffenherstellerfirmen wie McDonnell Douglas, Lockheed, Grumman, General Dynamics, Northrop und Boeing ohne größeren Erfolg versucht, neben ihren Engagement im Flugzeugbau oder in der Raumfahrt in den zivilen Markt vorzustoßen. Die meisten dieser Produktionszweige wurden wieder aufgegeben oder verkauft. Die übriggebliebenen Firmen arbeiten im allgemeinen auf niedrigstem Niveau. Ihre häufig sehr negativen Erfahrungen mit der Umstellung verhindern ihre Bereitschaft für größere Veränderungen

1989 kündigte die Firma General Dynamics an, daß „sie sich entschlossen hätte, beim Verteidigungsgeschäft zu bleiben“, und nur die neuen Programme entwickeln würde, für die von Seiten der Regierung ein „starker und dauerhafter“ Bedarf bestehe.

Boeing – der erfolgreichste Hersteller von kommerziellen Düsenflugzeugen – legte für seine Geschäfte im zivilen Bereich ein ständig steigendes Defizit für den Zeitraum 1981 bis 1988 offen. Als in den siebziger Jahren das Hubschraubergeschäft zusammenbrach, versuchte Boeing, die zuständige Abteilung zum Bau von U-Bahn-Wagen umzurüsten. Nachdem das Unternehmen dann bei der Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium, verschiedenen großen Städten und durch gewerkschaftliche Behinderungen viele Rückschläge erlebt hatte, stieg es aus dem Geschäft aus.

Die Firma Curtiss-Wright gibt das deutlichste Beispiel. Bei diesem Pionier auf dem Gebiet des Flugzeugbaus, der während des Zweiten Weltkriegs mehr Flugzeuge baute als jede andere Firma in den Vereinigten Staaten, vermutete man, daß sich der militärische Sektor – bedingt durch den Niedergang am Ende des Zweiten Weltkrieges – nie wieder erholen würde. Daraufhin spaltete sich die Firma in mehrere kleine Unternehmen auf, die Industrieprodukte herstellen. Doch während die Konkurrenten von früher sich jetzt eines jährlichen Verkaufs ihrer Flugzeuge, Mittelstreckenraketen und Raumfahrzeuge in Milliardenhöhe erfreuen können, hat Curtiss-Wright nur noch bescheidene Einnahmen: etwa 212 Millionen Dollar im Jahr 1989.