Ein Reiseführer in die Vergangenheit – ins Europa des Jahres 1492, als Kolumbus gerade westwärts segelte und dabei – zufällig – auf einen neuen Kontinent stieß. Wie man damals reiste, womit und wohin, darüber gibt der italienische Historiker Lorenzo Camusso in seinem „Reisebuch Europa“ Auskunft.

Er schildert anhand zeitgenössischer Berichte zehn Reiserouten mit jeweils wechselnder Besetzung: So begleiten wir einen Banckaufmann der Medici von Florenz nach Brügge, den beiden wichtigsten Bank- und Finanzzentren des damaligen Europa, folgen der Reise eines Pelzhändlers aus der bedeutendsten Stadt der Hanse, Lübeck, nach Nowgorod, leisten Pilgern Gesellschaft auf ihrem Weg von Vézelay über die Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakob und wandern mit dem jungen Maler Albrecht Dürer von seiner Heimatstadt Nürnberg über den Brenner und durch das Etschtal ins Mekka der Künstler, nach Venedig. Von Moskau bis Sevilla, von Trondheim bis Istanbul spannt sich ein Netz von Wegen, die nachzugehen wir eingeladen werden.

Reisen damals – das waren endlose Ritte, mühselige Märsche auf staubigen Straßen, über unwegsame Pässe, bei steter Gefahr, von Straßenräubern überfallen oder in ungastlichen Herbergen ausgeraubt zu werden. Nur selten einmal ist von den Freuden des Reisens die Rede, von ausgiebigen Gelagen oder öffentlichen Bädern, in denen Frauen und Männer sich gemeinsam vergnügten. Wir Pauschaltouristen können uns also gemütlich in unserem Sessel zurücklehnen und uns mit wohligem Schaudern dank der opulenten Illustrationen in eine Zeit zurückphantasieren, in der das Reisen noch mehr Last als Lust war. Volker Ullrich

Lorenzo Camusso:

Reisebuch Europa 1492

Wege durch die Alte Welt;

aus dem Italienischen von Friederike