Jetzt kommt sie wieder auf uns zu – die Frage aller Fragen, die Frage des Jahres schlechthin, obwohl das zurückliegende Jahr weiß Gott Fragen genug bereithielt. Also denn, rundheraus gefragt: Wird es eine weiße Weihnacht?

Und, rundheraus geantwortet: Woher sollen ausgerechnet wir das wissen? Da haben sich schon ganz andere Propheten vergaloppiert mit ihren Prognosen, alle Jahre wieder. Vornehmlich die aus dem Süden der Republik und die aus den anderen Alpen-Anrainerstaaten, die es doch, wenn überhaupt, am besten wissen müßten.

Nun hat es ja, allen Befürchtungen zum Trotz, in diesen Tagen einen satten Vorschuß an Schnee gegeben. Doch was von dieser kapriziösen Materie zu halten ist, das wissen wir zur Genüge: heute hui, morgen pfui und übermorgen futsch.

Weitblickend bis ins Jahr 2000 hinein und überzeugt von einer unabwendbaren Erwärmung der Erdatmosphäre, hatten die Österreicher bereits im Vorjahr eine Studie in Auftrag gegeben. Marketing-Manager sollten touristische Alternativen für künftige schneefreie Winter im Gebirge ventilieren. In diesem innovativen Wälzer werden die Autoren nun sinnend blättern, während vor ihren Fenstern leise die Flocken herniederrieseln.

Zweifel werden an ihnen nagen, ob sie das gute Geld nicht werbewirksamer im Hier und Jetzt hätten anlegen können. Eine alpenweite Teleshow im Schnee hätte sich angeboten, und alle hätten mitmachen dürfen beim Spiel ohne Grenzen: Wer kriegt die Kuh vom Eis? Wer wird der Schneemann des Jahres? Wer schippt am schnellsten eine verschneite Almhütte frei? So aber werden wir die Antwort nie erfahren.

Noch vor Saisonbeginn hatten die Wintersportorte lauthals wissen lassen, sie hätten aufrüttelnde Alternativprogramme in petto, um auf schneelosen Almwiesen keine Langeweile aufkommen zu lassen. Als wir aber Genaues wissen wollten, verstummten sie unisono. Nichts hatten sie gemacht und statt dessen, wie immer, auf Schnee gehofft. Und vielleicht noch ein bißchen gebetet.

Wir Nichtskifahrer fragen uns ohnehin, warum die Weihnacht unbedingt weiß sein soll, da nicht mal mehr Schneeballschlachten ins pazifistische Tauwetter passen. Andererseits müssen auch wir Verweigerer, wenngleich leicht beschämt, gestehen, daß wir uns dem Unterhaltungswert des weißen Wahns nie gänzlich entziehen konnten.