Der Konflikt zwischen dem Münchner Filmhändler und dem Hamburger Verlag um Sat 1 ist beigelegt

Von Marie-Luise Hauch-Fleck

Wann immer es in den vergangenen Monaten um den Filmhändler in München ging, griffen die beiden Chefredakteure der Bild-Zeitung gemeinsam zur Feder. Vereint wüteten sie gnadenlos gegen Leo Kirch, der, so einer ihrer Kommentare, zu „der Flimmerbranche“ passe „wie das Zwielicht“. In Zukunft müssen sich die beiden für ihre journalistischen Tiefschlige ganz gewiß eine neue Zielscheibe suchen: Aus dem jahrelang bestgehaßten Mann des Axel-Springer-Vorstandes ist wieder ein anerkannter Geschäftspartner des Hamburger Zeitungshauses geworden.

Nach wochenlangen Einigungsgesprächen beendeten die beiden verfeindeten Gruppen Anfang der Woche ihre erbitterte Fehde um die Macht beim Privatsender Sat 1 mit einer gemeinsamen Presseerklärung. „Die Gesellschafter von Sat 1 haben ihre Auseinandersetzungen beigelegt und sich auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verständigt“, heißt es darin plötzlich ganz friedfertig.

„Beide Seiten haben sehr nachgegeben“, begründet Springers Sprecher Heiner Bremer das überraschende Einlenken der Hamburger. Auch die Kirch-Sprecherin Armgard von Burgsdorff verzichtet auf jeden Triumph. „Es ist ein fairer, tragfähiger Kompromiß.“ In Wirklichkeit jedoch bedeutet die Einigung einen kompletten Sieg Kirchs. In nahezu allen Punkten, die der noch amtierende Springer-Vorstandsvorsitzende Peter Tamm bislang stets für nicht verhandlungsfähig erklirt hat, geben die Hanseaten klein bei.

So akzeptiert Springer, daß Kirch zukünftig mit 43 Prozent weiterhin der mit Abstand größte Einzelgesellschafter des Senders bleibt. Die Hamburger ihrerseits halten direkt lediglich 20 Prozent. Weitere Gesellschafter sind die APF – Aktuell Presse Fernsehen – mit ebenfalls 20 Prozent sowie die AV Euromedia mit 15 Prozent. An der APF ist Springer mit 30 Prozent beteiligt. Bei der AV Euromedia gehören 49 Prozent der Anteile wiederum der Kirch-Gruppe.

Streit um Streifen