Der 49jährige Wolfgang Sehrt engagiert sich seit 1972 in der Braunschweiger Lokalpolitik. Damals wurde der Hauptkommissar der Bereitschaftspolizei vom CDU-Fraktionsvorsitzenden für den Sportausschuß als Bürgermitglied entdeckt: Als Vorsitzender des Polizei-Sportvereins plante und organisierte er Polizei-Shows. 1974 trat er erstmals zu den Ratswahlen an. Inzwischen ist er Berufspolitiker. Er ist nicht nur Fraktionsvorsitzender der CDU in Braunschweig, sondern auch Vorsitzender des Sportausschusses und Mitglied im Feuerwehrausschuß. 1982 wurde er außerdem ins Landesparlament von Niedersachsen gewählt. Dort, in Hannover, ist er Mitglied im Innenausschuß, arbeitet als Fraktionssprecher für Polizeifragen und öffentliches Dienstrecht. Wolfgang Sehrts Herz jedoch gehört der Lokalpolitik, „da sieht man wenigstens, was man erreicht“. Wenn er durch die Stadt geht und an einer der Sporthallen vorbeikommt, für die er vor Jahren gekämpft hat, empfindet er Genugtuung. Ähnlich geht es ihm beim Rathaus- und beim Theatervorplatz, die anläßlich der Welfen-Ausstellung ansehnlich gemacht wurden. Glücklich ist er auch darüber, daß der Wiederaufbau der Alten Waage – ein im Krieg abgebranntes Fachwerkhaus – durchgesetzt werden konnte. Stadtgestaltung interessiert ihn, gerade begeistert sich Wolfgang Sehrt für die Konzeption einer Landesausstellung „Natur im Städtebau“. Die CDU-Fraktion hat beschlossen, das Projekt für 1996 in die Stadt zu holen. „Das würde einen ungeheuren Investitionsschub für Braunschweig bedeuten“, sagt Sehrt, „es kämen Bundesmittel in die Stadt, Parkanlagen würden gebaut, Stadtviertel saniert.“ Gleichzeitig aber müsse dringend etwas für Kindergärten und Schulen getan werden.

An Niederlagen erinnert sich Wolfgang Sehrt nicht: „Ich sehe alles gelassen, ich bin eine Frohnatur.“ Auch die Vorstellung, eines Tages vielleicht nicht mehr gewählt zu werden, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen. Er würde wieder zur Polizei zurückkehren. Er hat ein Leuchten in den Augen, wenn er von seiner alten Tätigkeit spricht. „Es gab keinen Moment, wo ich mit meinem Beruf unzufrieden gewesen bin.“ Wolfgang Sehrt war Führer eines SK, einer Sondereinheit. Die hat er aufgebaut, „weil ich gern Judo gemacht habe“. Er hat ein Präzisionsschützen-Kommando geleitet und eine Festnahmeeinheit, so hat er an allen Großereignissen in Niedersachsen teilgenommen. Er sieht sich als Sportsmann und spielt gerne Tennis. Als wir uns genauer über seine Polizeiarbeit unterhalten, spricht er dann doch von seiner Angst, die er – wie die meisten seiner Kollegen – hatte, wenn es zu Gewalttätigkeiten bei Demonstrationen und Häuserräumungen kam. Es fällt ihm auch ein, wie er an den Einsätzen von Wackersdorf zweifelte, nachdem die Industrie erst die Politiker und die dann die Polizei auf den Standort ansetzte und hinterher April, April sagte.

Wolfgang Sehrt lebt mit Frau und zwei Töchtern – eine ist 22, die andere 24 Jahre alt – in einem Braunschweiger Vorort. Das Haus, Teil eines Doppelbaus, hat er noch als Hauptkommissar gebaut. Es kostete ihn 170 000 Mark. Bei Baubeginn hatte er 20 000 Mark in bar und zwei nichtzuteilungsreife Bausparverträge. Er hat selbst Keller und Boden ausgebaut, Fliesen gelegt; meist nachts, nach dem Dienst. Frau Sehrt ist nicht berufstätig.

Heute erhält Wolfgang Sehrt für sein Landtagsmandat 7200 Mark brutto und eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 1700 Mark. In der Stadtverordnetenversammlung stehen ihm 50 Mark für öffentliche Verkehrsmittel zu und 1160 Mark für seine Funktion als Fraktionsvorsitzender. Ein einfacher Abgeordneter erhält die Hälfte. An die Landesfraktion der CDU führt er monatlich eine sogenannte freiwillige Spende von 500 Mark ab, dazu 30 Mark Beiträge. Im Rathaus werden noch mal 10 Prozent der dortigen Diäten fällig. Auf die Frage nach der Höhe seiner Diäten mußte Wolfgang Sehrt größeren Aufwand betreiben, denn er schaut nicht auf sein Konto; für die Finanzverwaltung ist seine Frau zuständig. Sehrt betont aber, daß der Sprung vom Polizeibeamten zum Berufspolitiker nicht so sehr groß gewesen sei, da er früher ein dreizehntes Monatsgehalt und Weihnachtsgratifikation erhalten habe und keine Krankenkassenbeiträge fällig wurden.

Heute fährt Wolfgang Sehrt einen 230er Mercedes, den er von einem Fraktionskollegen für nur 20 000 Mark gekauft hat, da der Wagen als Betriebsfahrzeug abgeschrieben war; Frau Sehrt hat einen Polo. Er ist fast täglich von 8 Uhr bis nach 22 Uhr unterwegs und muß etwa jeden zweiten Tag tanken. Auch über die Höhe der Lebenshaltungskosten ist er nicht aussagefähig, denkt aber, daß sie relativ niedrig lägen, da seine Frau viel an Gartenprodukten einfriert. Hoch wäre seines Wissens nur die Rückzahlung der Hypothek. Familie Sehrt fährt seit 27 Jahren als ehrenamtliche Reiseleiter mit Jugendgruppen des (Polizei-)Jugenderholungswerks Niedersachsen „Möwe“ in den Urlaub, meist nach Griechenland. Sein Traumurlaub hat ihn nach Bali geführt.

Seine Frau betreut ehrenamtlich die Ortsbibliothek, sammelt Weihnachtskrippen aus aller Welt und bereitet gerade eine Ausstellung vor.