Mit neuem Schlips

Weihnachten hatten die Deutschen in diesem Jahr schon. Bild hatte damit am 30. September getitelt: „Dreimal werden wir noch wach ...“ Heißa, am 3. Oktober war Wiedervereinigung. Aber was gibt es am 24 Dezember im Fernsehen? Das wollen wir trotzdem wissen. Im Abendprogramm der ARD: „Brennendes Geheimnis“ – wie der ehemalige Bundesverteidigungsminister und jetzige Nato-Generalsekretär Manfred Wörner und der Spiegel-Redakteur Diethelm Schröder die Vereinigung von Bundeswehr und Nationaler Volksarmee vorbereiteten. Im ZDF um dieselbe Zeit: „Spätes Glück nicht ausgeschlossen“ – wie Schalck und Schäuble den Golodkowski suchten. Und zur Nachtzeit, wenn sich der Frieden auf Erden niederläßt für alle braven Kinder: „Casablanca“. Am 31. Dezember wieder auf allen Sendern der Dauerbrenner: die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Kohl, diesmal mit neuer Krawatte.

Gosh!

Da hat Denis Thatcher aber noch einmal Glück gehabt. Margaret Thatcher, die nach ihrem Rücktritt jetzt endlich einmal mit ihrem Ehemann hätte in Urlaub fahren können (Denis Thatcher: „Gosh!“), wird dem Unterhaus erhalten bleiben. Darum lehnte sie den Adelstitel ab, den traditionsgemäß ehemalige prime ministers von der Queen zum Abschied erhalten. Damit dekoriert, hätte sie sich ins Oberhaus abschieben lassen müssen. Um Ihrer Majestät der Königin von England nicht einen Korb zu geben, muß jetzt Denis die alte Klamotte tragen: Baron Denis Thatcher. Lady Maggie hat sich etwas Besseres ausbedungen. Sie will in den exklusiven „Order of Merit“ aufgenommen werden.

Gut durchmischen

Was alle Leserinnen und Leser vor dem Verzehren der Weihnachtsgans, dem Karpfen oder der Flugente, dem Genuß von Marzipan, Stollen, Lebkuchen, Nuß und Mandelkern wissen und bedenken sollten, ist dies:

Die Verdauungsarbeit beginnt mit der Zerkleinerung des Weihnachtsmenüs „durch das Gebiß, durch Kauen und Durchmischen mit Speichel, dessen Enzyme (Ptyalin, Maltase, Maltose) bereits die Verdauung der Kohlenhydrate einleiten“, heißt es im neuesten Brockhaus, 19. Band. Beim Schlucken gelange die eingespeichelte Weihnachtsgans zerkleinert durch die Speiseröhre in den Magen. Dort legen sich die Fermente des Magensaftes um die fette Gänsehaut, bringen aber den Verdauungsvorgang nicht wesentlich weiter. Zwar lösen sich hier Rotkohl und Selleriesalat auf, Salzkartoffeln und Karpfen. Doch erst im Darm werden Gänsekeule und Speckklöße durch die Gallensäure emulgiert.

Kommt es am ersten oder zweiten Weihnachtstag zur Indigestion, besser bekannt als Verdauungsstörung, wurde der Magen fraglos überfüllt. Deutliche Anzeichen dafür sind: „Gefühl von Schwere im Magen, Auftreibung, Druckgefühl oder Schmerz bei Druck auf die Magengegend.“ Es kann zu mangelnder Eßlust kommen, gar zu „Ekel vor Speisen, Sodbrennen, Aufstoßen“ und schließlich, nun ja, Durchfall. Als Behandlung empfiehlt Brockhaus: „Beseitigung der Ursache“.