„Ironie verweist hier wie vielmals bei Heine auf die unaufhebbare Ambivalenzerfahrung eines, dem die Erinnerung an Deutschland in den Armen einer Französin Verlust und Gewinn umschließt, eine Wunde und ein Entronnensein bedeutet.“

Aus Professor Wolfgang Preisendanz’ subtiler Interpretation des Heine-Gedichts „Wenn ich, beseligt von schonen Küssen, / In deinen Armen mich wohl befinde...“, „FAZ“ vom 15. Dezember

Oper in Frankfurt: Vollumfänglich

Das war ja wirklich ein Griff in die Trickkiste: Der Rechtsanwalt des Frankfurter Opernintendanten Gary Bertini forderte die Stadt ultimativ auf, „das Vertrauensverhältnis zwischen Orchester und unserem Mandanten, Herrn Professor Gary Bertini, vollumfänglich wiederherzustellen“. Auf einer außerordentlichen Orchesterversammlung nämlich hatten neunzig Prozent der Orchestermusiker dem Intendanten Bertini das Vertrauen entzogen, knapp achtzig Prozent sprachen sich gegen den Generalmusikdirektor Bertini aus. Die Forderung des Rechtsanwalts war nach diesem Votum natürlich völliger Hokuspokus. Denn wie sollte die Kulturdezernentin Linda Reisch etwas „vollumfänglich wiederherstellen“, was nicht erst seit Tagen oder Wochen, sondern schon seit Monaten zwischen dem Orchester und seinem Chef verloren war? Aber nicht die juristische Trickserei des Rechtsanwalts ist peinlich, sondern die Haltung seines Mandanten. Bertini wußte selbstverständlich, daß das Vertrauensverhältnis nicht zu retten, ja daß überhaupt nichts mehr zu retten war. Es konnte also nur noch darum gehen, den Abgang möglichst lukrativ zu inszenieren. Die Kulturdezernentin hat klug gehandelt und überhaupt nicht auf das unsinnige Ultimatum reagiert. Da hat Bertini dann fristlos gekündigt. Für die Stadt Frankfurt wahrscheinlich die günstigste Variante. Und den Orchestermusikern ist zu gratulieren: Sie haben das geschafft, was die Kulturdezernentin politisch, juristisch und finanziell nicht durchsetzen konnte – den Dirigenten loszuwerden, der die Frankfurter Oper innerhalb von dreieinhalb Jahren in die künstlerische Bedeutungslosigkeit organisiert und dirigiert hat.

Schreiben und gewinnen

Primitive Leute spielen Lotto. Und Toto. Und Spiel aus 5760. Geistig hoch stehende Menschen dagegen schreiben, stecken das Geschriebene in einen Umschlag und schicken es an eine Jury, um solcherart an einem Schreibwettbewerb teilzunehmen. Also, liebe Leser der ZEIT, los geht’s! Zum ersten gibt es da den „Literaturpreis für kurze Geschichten“, ausgeschrieben von der Firma Montblanc. Gesucht wird ein „geschlossener literarischer Erzähltext“ bis zu zehn Schreibmaschinenseiten zum Thema „Profit“. Einzusenden an: Montblanc-Simplo GmbH, Literaturpreis, Hellgrundweg 100, 2000 Hamburg 54. Hauptgewinn: 20 000 Deutsche Mark. Einsendeschluß: 31. Januar 1991. Zum zweiten darf man sein Glück auch weiter südlich, in der Stadt Arnsberg versuchen. Hier können Kurzgeschichtenschreiber gleich zweimal 10 000 Deutsche Mark gewinnen sowie Junggebliebene bis 30 Jahre einen mit 7000 Deutschen Mark auf das innigste verbundenen „Sonderpreis junge Prosa“. Einsendeschluß: 31. März 1991. Näheres ist über das Kulturamt der Stadt Arnsberg zu erfahren. Postleitzahl: 5760.

Gefunden in der überaus anregenden Biographie „Helmut Kohl – Der deutsche Kanzler“ von Werner Maser (Ullstein Verlag) – das Photo stammt übrigens, laut Bildnachweis, direkt aus dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung.