Der Reiz des Verbotenen ist der Extraprofit. Zwischenhändler und Makler, die clever die Sanktionen gegen Südafrika zu umgehen wissen, kassieren ihn für ihre besonderen Dienste. Kunden aus der Kaprepublik müssen deshalb für eine Reihe von Gütern etwas höhere Preise zahlen, und südafrikanische Exporteure müssen von ihrer Gewinnspanne etwas an die Mittler abgeben.

Bald wird sie nicht mehr fließen, diese hübsche Provision. Und die Blockadebrecher werden sich nach einer neuen Tätigkeit umschauen müssen, denn die Sanktionen bröckeln. Schwarzafrikanische Staaten – größtenteils hochverschuldet – weisen Geschäftspartner aus der Apartheidsrepublik kaum noch ab, seit Kredite aus dem Westen ausbleiben und vom Osten keine Hilfe mehr zu erwarten ist. Um vierzig Prozent ist Südafrikas Handel mit Schwarzafrika dieses Jahr emporgeschnellt. Auch osteuropäische Staaten, die ihre kommunistischen Regierungen davongejagt haben, öffnen nun die Pforten für diejenigen, die am Kap schon immer den Kommunismus bekämpften. Und da ist der jüngste Beschluß der Europäischen Gemeinschaft, der den Bann bricht: Investitionen in Südafrika werden nicht mehr geächtet.

Führende Köpfe der wichtigsten Widerstandsorganisation Afrikanischer Nationalkongreß (ANC) haben diese Entwicklung kommen sehen. Sie haben erkannt, daß der ANC in eine diplomatische Niederlage schlittert, wenn alle Welt seine Blockade-Forderung ignoriert. Um die Initiative zurückzugewinnen, wollte der ANC deshalb den schrittweisen Abbau der Sanktionen empfehlen, wenn die weiße Minderheitsregierung bestimmte Bedingungen erfüllt. Doch diese Überlegungen der Führung kamen der ANC-Basis zu unvermittelt. Sie votierte für Beibehaltung des Boykotts – just in dem Moment, als die Europäische Gemeinschaft die Weichen in die Gegenrichtung stellte.

Dabei will die EG mit ihrem Beschluß dem ANC gar nicht schaden. Sie möchte vielmehr Südafrikas Präsidenten Frederik Willem de Klerk ein „Signal der Ermutigung“ senden, den Weg zur Demokratie weiterzugehen und die Apartheid restlos abzuschaffen. Genau das hat de Klerk wohl auch vor. Zur Parlamentseröffnung im Februar will er Gesetzesvorlagen einbringen, die namentlich die Trennung der Wohngebiete nach der Hautfarbe aufheben, und das Landgesetz ersetzen, das bisher 86,5 Prozent des Grund und Bodens den Weißen vorbehielt. Damit würden die Hauptpfeiler der Apartheid fallen.

So kann es wohl nicht schaden, de Klerk jetzt den Rücken dafür zu stärken. Denn er muß die Mehrheit der Weißen auf dem Weg der Reformen mitziehen. Das aber wird dem Präsidenten nur gelingen, wenn er vorher Erfolge vorweisen kann.

Beschert der EG-Beschluß de Klerk solchen Erfolg? Zumindest psychologisch wird er Pluspunkte einheimsen. Viele weiße Südafrikaner leiden nämlich unter dem Gefühl, international geächtet zu sein. Aber auch wirtschaftlich muß de Klerk – Weißen wie Schwarzen – Erfolge bieten, wenn sie ihm bei seiner Wende auf dem Hochseil die Stange halten sollen.

Davon ist bislang wenig zu spüren. Seit mehr als zehn Jahren steckt Südafrikas Wirtschaft in einer tiefen Krise. Pro Kopf gerechnet, werden die Einwohner des Landes Jahr für Jahr ärmer, die Schwarzen schneller, aber die Weißen noch schnell genug, um ebenfalls aufzubegehren. Bislang konnten die Regierenden die Schuld dafür auf die Sanktionen schieben. Wenn die fallen, wird das nicht mehr gehen.